Zuggewicht anpassen – aber sinnvoll!

Steve Ruis: Eine häufige Frage ist, wie man sich auf ein höheres Zuggewicht zubewegen sollte. Dies ist eine vernünftige Frage, aber meine Studenten sind nicht oft vernünftig. Ich antworte immer mit „Warum willst du mehr Gewicht ausziehen?“ Und oft ist die Antwort etwas wie „XYZ sagte mir, ich müsste 40 # schießen“. Ich bemühe mich, nicht sarkastisch auf diese allgemeine Rechtfertigung zu antworten und frage sie stattdessen „Warum 40 Pfund?“ Ich bekomme nie eine gute Antwort. Es gibt gute Gründe, das Zuggewicht des Schülers sowohl nach oben als auch nach unten zu verändern. Schauen wir uns das einmal an.

 
Gute Gründe für Gewichtsveränderungen
Ich habe bereits darüber geschrieben, was du tun kannst, ohne dein Zuggewicht zu ändern, um die Probleme der Entfernung zu lösen (siehe „Making Distance“ im ArcheryFocusMagazine (Heft 14-3) oder in „More on Coaching Archery“, Kapitel 15). Irgendwann reichen diese Maßnahmen jedoch nicht mehr aus und du musst tatsächlich Änderungen vornehmen. Aber warum ist das nötig? Die Antwort ist einfach. Versuche einmal mit einem 10lbs-Bogen ein Ziel in 70mtr Entfernung zu treffen. Du wirst den Pfeil kaum in der Nähe des Ziels wiederfinden. Wenn du dann einen 20#-, 30#- und sogar 40#-Bogen nimmst, werden die Pfeile wahrscheinlich nicht nur das Ziel treffen, sondern sogar bessere Ringzahlen erreichen. Der Grund dafür ist einfach. Um das Ziel mit einem 10 # -Bogen zu treffen, muss der Pfeil ca. im 45°-Winkel geschossen werden. In diesem Winkel ist es auch nutzlos, wenn du ein Visier angebracht hast, da keine Zielpunkte verwendet werden können. Wenn das Zuggewicht steigt, sinkt der Schusswinkel. Und das wahrscheinlich irgendwo zwischen 20# und 30# Zuggewicht. Hier beginnt das Visier etwas Nützliches zu werden. Vielleicht noch nicht direkt auf der Zielauflage aber vielleicht das Fähnchen auf der Zielscheibe oder ein dicker Ast hinter dem Ziel. Bei effektiven Zuggewichten enden wir mit dem Visier auf dem Ziel, normalerweise im Zentrum in der 10. Vielleicht noch wichtiger ist es, wenn wir Flugbahnen bekommen, die es uns ermöglichen, unsere Körperhaltung nahe an der zu halten, die wir bei näheren Zielen einnehmen, damit wir uns nicht zu sehr „verbiegen“ müssen. Feldschützen haben diese extremen Körperhaltungen für die speziellen Situationen im Gelände gelernt.
Nun, wenn all diese Vorteile von höheren Zuggewichten herrühren, warum es nicht einfach weiter steigern? Immer höhere Zuggewichte benötigen auch immer mehr Kraft, Technik und Ausdauer. Und der Vorteil von mehr Zuggewicht wird irgendwann nach unten gehen, wenn das Zuggewicht zu hoch wird. Da gibt es einen “sweet spot” oder “happy spot” für jeden Bogenschützen. Abhängig von seinen Zielen und seinen körperlichen Fähigkeiten.

Anzeichen, dass der Bogenschütze sein Zuggewicht erhöhen sollte sind:
•    Die Pfeile treffen weiter entfernte Ziele nicht (normalerweise im Falle von jungen Schützen, die eine Klasse höher einsteigen)
•    Die Pfeile treffen nur noch unten die Scheibe, obwohl hoch gezielt wird (für Visierschützen)
•    Bogenschützen können keinen Zielpunkt nahe dem Ziel finden (Für Schützen ohne Visier)
•    Ringzahlen gehen rapide nach unten je weiter das Ziel entfernt ist
•    Schützen überziehen den Bogen, verdrehen die Sehne, haben eine schlechte Performance, weil der Bogen sie nicht mehr (körperlich) ausreichend beansprucht.

Anzeichen, dass der Bogenschütze sein Zuggewicht verringern sollte sind:
•    Der Schütze zittert während dem Schießen (was er vor der Zuggewichtserhöhung nicht getan hat.)
•    Der Schütze ermüdet bei längeren Haltevorgängen.
•    Der Schütze kann den Bogen nicht in einem guten Schussablauf ausziehen.
•    Die Form der Ausführung verschlechtert sich während eines Trainings/Turniers
Das kann alles passieren, wenn man älter wird. (Das kann ich hier bestätigen)

Um wieviel verändert man das Zuggewicht?
Okay, du und dein Schüler haben festgestellt, dass seine Zuggewichtserhöhung erwünscht ist. Die nächste Frage wäre dann: Wieviel? Diese Frage ist schon schwerer zu beantworten. Das Zuggewicht zu verändern (egal um wieviel) hat immer Konsequenzen. Das Erste, was du verlieren wirst ist dein Bogensetup und deine Visiereinstellungen. Auch wenn es nur kleine Anpassungen sein mögen, so wird es dennoch Veränderungen geben (neue Visiereinstellungen u.a.) Wenn die Zuggewichtserhöhung um mehr als nur rein bisschen stattfindet, so müssen sicher auch die Pfeile neu abgestimmt werden oder sogar ersetzt werden. Wenn wir uns alle verfügbaren Spine-Charts anschauen (Abb.1), so finden wir dort immer Spalten in 5#-Steigerungen. Jede Zunahme an Zuggewicht entspricht üblicherweise einem anderen Spinewert der Schäfte.
(Das ergibt sich aus der Geschichte. Die ersten Spinewert-Tabellen wurden in 5#-Stufen veröffentlicht. Als nun neue Hersteller ihre eigenen Tabellen herausbrachten, blieben sie bei dem System, welches der Anwender gewohnt ist, um ihn nicht zu verwirren).

 

Mehr in der neuen Ausgabe vom BOGENSPORT MAGAZIN

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