Weltcup Berlin: Recurve-Frauen & Compound-Männer starten stark

Die große Hitze ist glücklicherweise vorbei, dafür mussten sich die Bogenschützen am ersten Tag des Weltcups in Berlin mit anderen Wetterkapriolen herumschlagen: Extrem böiger Wind sorgte für schwierige Bedingungen, mit denen die deutschen Recurve-Frauen und die Compound-Männer gut klarkamen. Letztere schlossen die Qualifikation sensationell als bestes Team ab.
Foto: Eckhard Frerichs / Marcus Laube hatte nach der Qualifikation allen Grund zum Lachen.
Foto: Eckhard Frerichs / Marcus Laube hatte nach der Qualifikation allen Grund zum Lachen.

Recurve: Frauen gut, Männer durchwachsen
Wenn bei den weltbesten Schützen reihenweise Pfeile in die fünf, sechs oder sieben einschlagen und die Qualifikationssieger 654 Ringe (Männer) bzw. 649 Ringe (Frauen) erzielen und damit um 40 bis 50 Ringe unter Standard sind, dann zeigt das die schwierigen Bedingungen. In der Qualifikation wurden die Windsäcke gebläht und die Windfähnchen tanzten an den Scheiben. Da bedarf es viel Routine, wie Bundestrainer Oliver Haidn sagt: „Die Schwierigkeit ist, dass der Wind sehr böig ist und die Athleten keine klare Rückmeldung von den einzelnen Schüssen erhalten. Jeder Schuss muss neu justiert werden, und trotzdem fallen Böen unmittelbar in den Schuss hinein. Da braucht man viel Erfahrung, aber auch viel Mut und Entschlossenheit, um die schmalen Zeitfenster zu finden und zu nutzen.“ Dies gelang Lisa Unruh am besten. Die Olympia-Zweite hatte zuletzt nicht die Wunsch-Ergebnisse erzielt, zeigte nun aber ihre ganze Klasse. Mit 633 Ringen belegte sie Platz acht, ringgleich mit der Koreanerin Dasomi Jung, der sie im Stechen mit 7:9 unterlag. Da auch Elena Richter (10. Platz, 628 Ringe) und Michelle Kroppen (11. Platz, 626 Ringe) gut „unterwegs“ waren, platzierte sich das WM-Trio auf Platz drei in der Teamwertung. Auch Elisa Tartler rangierte nach acht Passen aussichtsreich, dann warfen sie eine 44-er und 41-er Passe zurück, am Ende landete sie auf Platz 27 (603 Ringe): „Die Damenmannschaft hat sich sehr gut präsentiert“, zeigte sich Haidn dementsprechend zufrieden.
Das traf auf die Männer nicht zu. Maximilian Weckmüller landete mit 633 Ringen als Bester des Quartetts auf Platz 21, Cedric Rieger (31. Platz und 629 Ringe), Jonathan Vetter (48. Platz und 619 Ringe) und Florian Kahllund (60. Platz und 610 Ringe) folgten. Vor allem Kahllund erwischte es in den letzten beiden Passen mit zweimal 44 Ringen voll, als Team landeten die Männer auf Rang acht: „Wir sehen leider bei den Herren, dass sie ihre durchaus guten Leistungen zu Saisonanfang wiederholt nicht bestätigen konnten. Wir benötigen einfach mehr Profis an der Schießlinie, die einfach unter schwierigsten Bedingungen trainieren und auch bestehen können“, wiederholte Haidn damit seine Forderung an das „starke“ Geschlecht.

Am 3. Juli beginnt die Ko-Phase, und damit die heiße Phase des Weltcups. Dann sind die Qualifikationsergebnisse Makulatur, dann fragt keiner mehr nach, wie das Wetter am Vortag war.

Wahrscheinlich hätte ich auch einen Handstand machen können und hätte trotzdem getroffen!

Marcus Laube, Compound-Schütze zu seiner starken Leistung

Compound: Männer-Team erstmals auf Platz 1
Genau umgekehrt lief es mit dem Compound-Bogen. Die Männer schossen ganz stark und krönten die Qualifikation mit Platz eins in der Team-Wertung.Als Nummer eins aus der Qualifikation zu gehen, ist für mich ein Novum. Das haben sie sich erkämpft und verdient, mal gucken, was sie daraus machen“, war der Disziplinverantwortliche Holger Hertkorn aus dem Häuschen. Marcus Laube als Dritter (689 Ringe) und Marcel Trachsel als Sechster (685 Ringe) waren die Garanten für den Heim-Coup, die dafür auch mit einem Freilos für die ersten zwei Runden in der Ko-Phase belohnt wurden. Laube schoss bei weiterhin schwierigen Bedingungen keine seiner zwölf Passen unter 56 Ringen und hatte neben seinem Können auch das notwendige Quäntchen Glück auf seiner Seite: „Das Release ging immer zur richtigen Zeit auf, der Wind hat die Pfeile reingedrückt. Wahrscheinlich hätte ich auch einen Handstand machen können und hätte trotzdem getroffen. Das war ein toller Tag.“ Auch Trachsel schoss bis auf eine Passe (52) sehr konstant, Lars Klingner (34. Platz, 668 Ringe) und Sebastian Hamdorf (39. Platz, 663 Ringe) kamen dagegen nicht so gut klar. Der Turnierstart ist geglückt, mehr aber auch nicht, wie Laube betont: „Die Nummer eins als Team ist atemberaubend, aber es ist leider nur eine Qualifikation. Man hat dadurch einen vermeintlich leichteren Gegner, aber schießen können sie alle. Und die Bedingungen können sich ändern, viel passiert ist noch nicht.“

Foto: Eckhard Frerichs / Der Wind sorgte bei der Qualifikation für schwierige Verhältnisse.
Foto: Eckhard Frerichs / Der Wind sorgte bei der Qualifikation für schwierige Verhältnisse.

Dies gilt auch für die Compound-Frauen, die schwer mit dem Wind zu kämpfen hatten. Kristina Heigenhauser machte dies am besten und wurde am Ende 19. (649 Ringe) und erhielt ein Freilos für die erste Ko-Runde, Velia Schall hatte als 35. (615 Ringe) mächtig zu kämpfen – sie brachte sogar zweimal ihren Pfeil nicht in die Wertung. Und Jennifer Wenzl schoss bei ihrer zweiten Weltcup-Teilnahme 612 Ringe (37. Platz). „Bei den Damen lief es nicht so gut, sie sind selber nicht zufrieden“, urteilte Hertkorn über sein Frauen-Trio, das als Team Siebter wurde.

Das deutsche Team

Recurve: Michelle Kroppen, Elena Richter, Elisa Tartler, Lisa Unruh, Florian Kahllund, Cedric Rieger, Jonathan Vetter, Maximilian Weckmüller
Betreuer: Oliver Haidn, Natalia Butuzova, Marc Dellenbach, Tobias Richter

Compound: Kristina Heigenhauser, Velia Schall, Jennifer Wenzl, Sebastian Hamdorf, Lars Klingner, Marcus Laube, Marcel Trachsel
Betreuer: Holger Hertkorn, Harry Vohs

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Text: DSB

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