Weltcup Berlin: Drei DSB-Teams an Finaltagen dabei

Großer Erfolg für drei DSB-Teams beim Bogen-Weltcup in Berlin: Die Recurve-Frauen stehen nach einem Halbfinalsieg über Korea am Sonntag, 7. Juli, im Goldfinale, die Compound-Frauen und -Männer greifen einen Tag vorher nach der Bronzemedaille. In den Einzelentscheidungen verpassten die deutschen Bogenschützen die Medaillen-Matches. Tickets für die Finals am Anhalter Bahnhof gibt es an der Tageskasse.

Recurve: Frauen-Trio greift nach Gold

Was für eine Dramatik mit Happyend auf dem Maifeld: Im Stechen behielt das Frauen-Trio Michelle Kroppen, Elena Richter und Lisa Unruh mit 26-21 gegen Top-Favorit Südkorea die Oberhand und siegte 5-4. Dabei hatte Richter bei extrem böigem Wind nur eine Sechs vorgelegt, ohne zu wissen, dass ihre Konkurrentin nur eine Vier auf die Scheibe brachte. Kroppen und Unruh stellten mit zwei Zehnern den Erfolg sicher: „Das war super, dass die Beiden dann die Zehner hinten draufgenagelt haben“, war Richter erleichtert.“ Im Finale wartet nun – etwas überraschend – Italien als Gegner, das sich gegen Weltmeister Taiwan durchsetzte: „Die können auch schießen, kochen aber auch nur mit Wasser“, sagte Kroppen. Und Unruh ergänzte: „Wir wollen die Stimmung mitnehmen, die Spannung halten und schön schießen.“ Zuvor hatte das deutsche Trio seine Nervenstärke unter Beweis gestellt, denn sowohl im Achtel- als auch im Viertelfinale wurden Rückstände gegen Großbritannien und Japan gedreht. Bundestrainer Oliver Haidn war zufrieden, „unser Soll war eindeutig, am Anhalter Bahnhof zu schießen.“
Die Männer enttäuschten dagegen in ihrem Achtelfinalmatch gegen die Türkei, das sie im Shootoff (21-23) mit 4-5 verloren. Danach fand Haidn deutliche Worte: „Das Abschneiden ist enttäuschend. Ich hoffe, dass die Männer das Signal erkennen, was zu tun ist. Das ist nämlich klar, aber es zu wollen und zu investieren und für ein Jahr alles hintenanzustellen, diese Entscheidung muss jeder für sich treffen. Ohne das wird es nicht möglich sein, beim finalen Olympia-Qualifikationsturnier im nächsten Jahr zu bestehen.“

 

Die Einzelentscheidungen am Wochenende (Tickets unter Ticketmaster.de und an der Tageskasse) finden zwar ohne deutsche Beteiligung statt, dennoch gab es positive Auftritte auf dem Maifeld zu sehen. Lisa Unruh siegte in der dritten Runde und im Achtelfinale, in dem sie gegen die Koreanerin Dasomi Jung für ein absolutes Highlight sorgte. Nach fünf Sätzen hieß es 5-5, sodass ein Stechen über den Sieg entscheiden musste. Unruh legte ein X, eine zentrale Zehn vor, doch die Koreanerin konterte mit exakt der gleichen Wertung. Ein zweiter und entscheidender Stechschuss musste entscheiden, in dem die Berlinerin abermals das Zentrum traf und ihre Gegnerin um drei Ringe überbot: „Das war auch für mich spannend. Ich habe zwei geile Pfeile geschossen.“ Im Viertelfinale wartete mit der erst 18-jährigen San An ein koreanisches Super-Talent, das sich 6-0 durchsetzte und dabei sieben von neun Pfeilen in die Zehn platzierte. „Sie hat sehr stark geschossen, auch wenn es in der ersten und letzten Passe nur ein Ring Unterschied war. Ich bin sehr zufrieden, meine Schüsse waren gut, und ich bin persönlich weitergekommen.“ Elena Richter und Elisa Tartler schieden im Achtelfinale gegen eine Südkoreanerin (2-6) bzw. Spanierin (3-7) aus, konnten mit Platz neun aber zufrieden sein. Dies traf auf die WM-Vierte Michelle Kroppen nicht zu, denn nach einem 5-6 gegen die Spanierin Galisteo (Kroppen schoss die schwächere Neun im Stechschuss) blieb nur Platz 17.
Die deutschen Recurve-Männer verabschiedeten sich früher aus dem Turnier. Florian Kahllund und Jonathan Vetter belegten nach Drittrunden-Niederlagen gegen Wei/CHN (3-7) bzw. Requa/USA (5-6 im Stechen) den 17. Platz. Wobei vor allem Junior Vetter sein großes Potenzial andeutete und konstant starke Pfeile setzte. Bereits in der zweiten Runde hatte er den Weltranglisten-Dritten Steve Wijler/NED bezwungen und war dementsprechend zufrieden: „Meine Matches waren beide gut, ich musste zweimal ins Stechen. Einmal hatte ich Glück, einmal Pech. Mich ärgert es nur, dass mein Pfeil beim zweiten Stechen so weit weg war (eine Acht, Anm. d. Red.). Ich bin zufrieden, und es war schön. Die Qualität der Schützen ist auch bei den Junioren da, aber nicht in dieser Masse.“ Haidn lobte die beiden Youngster Vetter und Tartler explizit: „Johnny und Elisa haben eine tolle Performance gezeigt, da schauen wir hoffnungsvoll in die Zukunft.“

Compound: Beide Teams im Bronzefinale

Auch im nicht-olympischen Compound-Bereich gab es Grund zum Jubel: Beide Teams qualifizierten sich für das Bronzematch, in dem jeweils die USA der Gegner ist. Die Frauen mit Kristina Heigenhauser, Velia Schall und Jennifer Wenzl verloren ihr Halbfinale deutlich gegen Großbritannien (221-227), nachdem sie im Viertelfinale ganz stark schossen und die favorisierten Niederländerinnen 224-223 bezwangen. Das Männer-Trio Lars Klingner, Marcus Laube und Marcel Trachsel lieferte sich ein „heißes“ Halbfinale mit den Franzosen, um am Ende mit 229-231 zu unterliegen. Im Viertelfinale gelang ein souveränes 230-227 über Indien. Holger Hertkorn, Disziplinverantwortlicher, sagte: „Ich bin zufrieden, auch wenn durchaus mehr drin war. Aber zwei Finals konnten wir im Vorfeld nicht erwarten.

Im Einzel gingen sechs DSB-Compoundschützen am Vormittag des zweiten Tages der Ko-Runde an den Start, aber auch sie schafften es nicht, einen Einzel-Athleten in das Finale zu bekommen. Marcel Trachsel schied als bester Deutscher im Achtelfinale aus und wurde Neunter, er unterlag dem ehemaligen Weltranglisten-1. Stephan Hansen aus Dänemark mit 142-144. Eine Runde eher erwischte es ein deutsches Quintett mit Marcus Laube, Sebastian Hamdorf, Lars Klingner, Kristina Heigenhauser und Velia Schall (alle 17. Platz), die zum Teil gegen die absolute Welt-Elite antreten mussten. So unterlag Klingner dem Weltranlisten-1. Mike Schloesser/NED 140-145, Schall verlor gegen die Vorjahressiegerin Sophie Dodemont/FRA 135-141, Laube zog gegen den Weltranglisten-3. Braden Gellenthien/USA 143-144 den Kürzeren. Anschließend sagte er: „Es war nicht so windig, und das macht es den Top-Athleten deutlich leichter, ihre Normalform abzurufen. Vielleicht war das der Knackpunkt. Ich bin nicht unzufrieden, ein Ring gegen Braden ist keine Schande.“

Das deutsche Team

Recurve: Michelle Kroppen, Elena Richter, Elisa Tartler, Lisa Unruh, Florian Kahllund, Cedric Rieger, Jonathan Vetter, Maximilian Weckmüller
Betreuer: Oliver Haidn, Natalia Butuzova, Marc Dellenbach, Tobias Richter

Compound: Kristina Heigenhauser, Velia Schall, Jennifer Wenzl, Sebastian Hamdorf, Lars Klingner, Marcus Laube, Marcel Trachsel
Betreuer: Holger Hertkorn, Harry Vohs

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