Personalisieren von Recurve Wurfarmen

Recurve Wurfarme neigen dazu, Anfänger, Fortgeschrittene, einige ambitionierte Bogenschützen und sogar einige Trainer zu verwirren!

Quellen der Verwirrung:

Dieser Artikel hier bezieht sich auf die 3-teiligen Recurvebögen (Take-Down), wie sie am häufigsten von Target-Schützen eingesetzt werden; das Mitteteil an dem ein oberer und ein unterer Wurfarm befestigt wird. Die Wurfarme gibt es in 3 Längen (kurz, mittel, lang), die mit verschiedenen Mittelteillängen zu folgenden Bogenlängen kombiniert werden können:

Immer noch verwirrt? (Es gibt Mittelteile in unterschiedlichen Längen) Haben Sie bemerkt, dass Sie einen 68“-Bogen auf drei unterschiedliche Weisen machen können?

Die Regel besagt: je kürzer die Wurfarme desto schneller der Bogen. Alle anderen Dinge sind gleich. Die Wurfarme kommen typischerweise in 2#-Stufen in einem recht breiten Spektrum an Zuggewichten (ca. 14#-48#). Wenn Sie also lange Wurfarme nutzen und diese auf ein 25“-Mittelteil montieren, um einen 70“-Bogen zu erhalten, die Wurfarme mit 32# gekennzeichnet sind, werden Sie einen 32#-Bogen haben? – Könnte sein!

Das auf den Wurfarmen angegebene Zuggewicht wird bei einer Auszugslänge von 28“ gemessen. (Außer, es handelt sich um einen Jugendbogen, bei dem das angegebene Zuggewicht üblicherweise bei 24“ Auszugslänge oder bei einem traditionellen Bogen oft bei 26“ gemessen wird.) Weiterhin verwirrt?

Wie viele Bogenschützen haben eine Auszugslänge von exakt 28“? Ich vermute einmal, nicht so viele. Ich denke, dass die meisten Bogenschützen länger oder kürzer ausziehen. Wenn ihre Auszuglänge größer ist, wird das Zuggewicht „auf den Fingern“ höher sein als auf den Wurfarmen angegeben. Wenn die Auszugslänge geringer ist als 28“, so ist das Zuggewicht „auf den Fingern“ kleiner als auf den Wurfarmen angegeben.


Nun, wenn Ihre Auszugslänge genau 28“ ist, wird es ein 32#-Bogen sein? Hmm, vielleicht?

Wurfarme herzustellen ist keine perfekte Wissenschaft. Wenn ein Hersteller einen Wurfarm mit 31,5# baut, wird er diesen aussortieren? Nein, wird er nicht! Ist er „nah genug“ an den 32#, um eine 32#-Kennzeichnung zu rechtfertigen, so wird er zu den entsprechenden WA sortiert. Sie dürfen dem Hersteller nun nicht schlampige Fertigungstoleranzen vorwerfen. Hier haben wir recht vernünftige Zahlen. Sind die Wurfarme außerhalb dieser Toleranz, so werden diese auch aussortiert. Wenn wir perfekte Wurfarme erwarten würden, so würden die Preise unverhältnismäßig in die Höhe schießen und sehr viele Wurfarme würden aussortiert werden, weil sie nicht „perfekt“ sind.
(Da diese aussortierten Wurfarme dann nicht wiederverwertet werden können, hieße es: „Mach einen anderen Bill, Der war nicht gut!“ Und wenn man
drei Stück herstellen muss, um einen perfekten zu bekommen, sollten wir bitte keinen günstigen Preis erwarten).

Zur Ihrer Information: Das Zuggewicht wird nicht so gemessen, wie der Schütze es tut. Der Hersteller benutzt dazu eine Maschine, in die der Wurfarm eingespannt wird. Am Wurfarmende (Limb-Tip) wurde dann früher ein Gewicht angehängt und gemessen, wie sehr sich der Wurfarm „biegt“. (Je geringer diese Biegung, desto höher ist das Zuggewicht).

Was Sie tun können, um die Verwirrung zu verringern:

Als Trainer können Sie dem Schützen zu einem für ihn passenden Bogen verhelfen. Jugendliche/Einsteiger sollten Bögen mit hohem Eigengewicht vermeiden, da ihre Bogenschulter zu Beginn noch nicht ausreichend trainiert ist. Kleinere Bogenschützen brauchen kleinere Bögen, etc.
Wenn der Bogenschütze dann einmal mit einer Bogengröße ausgestattet ist, so müssen Sie in der Lage sein, nötige Veränderungen zu benennen. Wenn er schnell wächst, so ist er vielleicht soweit, sagen wir mal, von einem 23“-Mittelteil zu einem 25“-Mittelteil zu wechseln. (Kurze Mittelteile haben ein kleineres Bogenfenster und wenn dazu noch ein niedriges Zuggewicht kommt, dann kann es sein, dass der Bereich nicht für alle Visiereinstellungen ausreicht. Längere Mittelteile sind aus mehreren Gründen besser, aber eben auch schwerer als kürzere.)


Nur am Rande erwähnt– Bogenschützen mit Jagdbögen verwenden oft Mittelteile mit 20“ oder sogar 19“. Sie können solche kurzen Bögen verwenden, weil sie ein Zuggewicht von mindestens 40# (normalerweise) verwenden und auf recht kurze Distanzen (20-30Yards) schießen.

Noch verwirrt?
Das Ändern der Mittelteil-Länge kommt selten vor. (Ein neues Mittelteil von gleicher Länge zu kaufen bringt auch kaum Probleme mit sich). Wurfarmwechsel kommen viel häufiger vor.
Kommen wir nun zu den
„verstellbaren Wurfarmtaschen“. Die erste Serienproduktion von verstellbaren Wurfarmtaschen wurde von HOYT auf den Markt gebracht und war dann so verbreitet, dass es weltweit geklaut (übernommen) wurde. Dieses nennen wir heute International Limb Fitting oder ILF. Die Idee war, den Wurfarm in die Wurfarmtasche zu stecken, wo er einrastete und die Tasche verstellbar war, sodass der Anstellwinkel etwas verändert werden konnte. Zuvor mussten die Wurfarme verschraubt werden. Und wollte man den Anstellwinkel etwas verändern, musste man Keile (sägen, schnitzen oder was auch immer), zwischen Wurfarm und Mittelteil stecken und wieder mit der Wurfarmschraube festklemmen. Das war dann eher ein Glücksspiel das Passende zu finden.

Mit dem neuen ILF-System wurden die Wurfarmschrauben mit einer Sicherungsschraube gekontert und die Wurfarme hatten am Ende eine Kerbe, die in eine „Wippe“ geführt wurden. Wenn die Wurfarmschraube (Tillerschraube) herausgedreht wird, bewegt sich der Wurfarm Richtung Schützen. Das erhöht die Standhöhe und verringert ein bisschen den Weg der Wurfarme, die der Schütze bis zum Vollauszug benötigt. Beides verringert die Energie, die auf den Pfeil übertragen wird. Das kann man aber nur bis zu einem gewissen Punkt machen, bevor es gefährlich wird, sodass typischerweise das Zuggewicht nur um ca. 10% gegenüber dem, auf dem Wurfarm angegebenen Wert, reduziert werden kann. Während dem Schießen ist es schwer zu erkennen, ob die Tillerschrauben ganz rein- oder rausgedreht sind.

Nun kommt das Dilemma: Recurvewurfarme (die Länge ist jetzt abgeklärt) haben ihr angegebenes Zuggewicht bei 28“ (was der Schütze z.B. jetzt mal gerade nicht hat), welches auf Grund der Fertigungstoleranzen etwas abweichen kann. Bis zu 10% vom höchsten bis zum niedrigsten Wert. Abhängig davon, wie die Wurfarmtaschen eingestellt sind.

Verstanden?

Wenn der Kopf jetzt raucht, sind Sie damit nicht alleine.

Versuchen sie das hier:
Hier ist eine Möglichkeit, um es für Sie und Ihren Schützen einfacher zu machen. Dazu benötigen eine verlässliche Bogenwaage (alle Messungen müssen mit derselben Waage gemacht werden). Und so wird’s gemacht:

  1. Schrauben Sie die Tillerschrauben an dem derzeitigen Bogen Ihres Schützen komplett rein und zählen Sie dabei die Umdrehungen des Inbusschlüssels. Das wird der neue Bezugspunkt.
  2. Messen Sie das Zuggewicht mit der Auszugslänge des Schützen und einer Bogen-/Zugwaage. Wenn er einen Klicker benutzt, legen Sie den Pfeil auf und ziehen den Bogen (mit der Zugwaage) aus bis dieser fällt. „Easy Peasy“
    Schreiben Sie diesen Wert mit einem Permanent-Marker auf den Wurfarm.
  3. Ziehen Sie 10% von diesem im Vollauszug ermittelten Wert ab und notieren auch diesen (neben dem ersten Wert) auf dem WA. Das ist die Zuggewichtsspanne (Bandbreite/Range) für den Schützen bei seiner Auszuglänge.
    Wenn das erledigt ist, stellen Sie den Bogen wieder auf das ursprüngliche Set-Up des Schützen ein (Tillerschrauben wieder in vorherige Stellung).

Weiter nach oben!

Wenn Sie nun das Zuggewicht erhöhen wollen und die jetzigen WA bereits komplett hochgedreht sind, müssen Sie neue in der gleichen Länge und mit vier Pfund (4#) mehr anschaffen.
Die vorhandenen WA sind nach oben komplett ausgereizt und die neuen werden
soweit es geht nach unten getillert.
So, wenn wir also von 30# WA ausgehen wechseln wir zu 34# WA und drehen diese komplett runter (10% von 34# sind 3,4#). Das gibt dem Bogenschützen eine Zuggewichtserhöhung von 0,6#, welche einfach zu handhaben sein sollte und von wo aus recht einfach weiter gesteigert werden kann.

Egal wie das persönliche Zuggewicht ist, nutzen Sie die Kennzeichnung auf den WA für Ihre Kaufentscheidung.
Wenn also Ihre WA mit 28# gekennzeichnet sind, wechseln sie zu 32# WA. Damit steigt auch ihr Zuggewicht
auf den Fingern um 4# (ca.). Das persönliche Zuggewicht ist jenes, welches Sie zur Auswahl der Pfeile (Spine) benötigen. Das auf den WA angegebene Zuggewicht dient lediglich der Kaufentscheidung.

Aber warte- da ist noch mehr!

Hier sind 2 Paar WA und deren Maximum für diesen Schützen.

26#WA 29,5# max.
28# WA 31,5# max.

Er hat auch noch ein Paar WA mit 30#. Können Sie schätzen, wie die maximale Messung für diesen Schützen wäre?

Ich kam auf 33,5#. In jedem Versuch war die Differenz rund 3,5#. Und da alle diese Werte ziemlich eng beieinanderliegen, sollten wir so fortfahren. Wenn die WA über 40# haben, erwarte ich leichte/andere Unterschiede.

Nun, nur so zum Spaß, nehmen Sie 10% von jedem dieser max. Zuggewichte, um jedem WA-Paar eine Spanne (Range) zu geben.

Können Sie erkennen, dass die 26#-WA und 30#-WA zusammen den gleichen Bereich abdecken wie alle drei WA-Paare zusammen?
Es bleibt lediglich eine kleine Lücke von 29,4# zu 30,4#. Wenn nun der Wechsel von 26# zu 30# erfolgt so ist das ein vernünftiger
Sprung.

Das ist der Grund, wieso ein WA-Wechsel in 4#-Stufen empfohlen wird. Bedenken Sie auch, dass die Reduzierung des Zuggewichtes oftmals um mehr als 10% erfolgen kann, sodass die entstehende Lücke oft kleiner ist. (Ein weiterer Segen des ILF-Systems).

Sicherheitshinweis:

Überschreiten Sie niemals die vom Hersteller angegebene max. Anzahl an Umdrehungen der Tillerschrauben.

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