O-Töne vom World-Cup-Finale in Saltillo
Bogensport Magazin
Silber für Katharina Bauer – „Die Medaille bedeutet mir wirklich sehr viel“
Kurzfristig nachgerückt, am Ende auf dem Podium: Katharina Bauer hat beim Hyundai Archery World Cup Final in Saltillo Silber gewonnen. Nach zwei klaren Siegen musste sich die Recurve-Schützin aus Raubling erst im Finale der ehemaligen Weltmeisterin Marie Horáčková geschlagen geben. Uns hat sie verraten, was diese Medaille für sie bedeutet.
Anfang August landete eine unscheinbare Mail in Katharina Bauers Postfach. Ihr Betreff lautete: „your invitation for the 2026 WorldCup final“. Ihr erster Gedanke war Spam, dann folgte ein lauter Freudenschrei. Weil mit Yu Qi, Kang Chaeyoung und Zhu Jingyi gleich drei qualifizierte Athletinnen wegen der Asian Games in Aichi-Nagoya absagten, rückte die 16. der Weltrangliste ins Feld der besten acht Recurve-Frauen der Saison nach. Für Bauer war es nach Tlaxcala 2022 die zweite Teilnahme an einem Weltcupfinale.
Auf der Plaza de Armas in Saltillo setzte sich Bauer im Viertelfinale mit 6:2 gegen die Spanierin Elia Canales durch. Im Halbfinale ließ sie der Türkin Elif Berra Gökkır beim 7:1 kaum eine Chance. Damit stand die deutsche Nachrückerin im Goldfinale. Dort wartete Marie Horáčková, Weltmeisterin von Berlin 2023 und Siegerin des Weltcups in Madrid. Nach einer rund einstündigen Gewitterunterbrechung behielt die Tschechin mit 6:2 die Oberhand und wurde die erste Weltcup-Siegerin ihres Landes. Für Bauer blieb Silber, der krönende Abschluss einer Saison, in der sie sich von Platz 17 in Puebla über Rang 12 in Antalya bis auf Rang sechs in Madrid stetig gesteigert hatte.
„Ich bin stolz auf mich“
Was die Medaille für sie bedeutet, hat uns Kathi nach ihrer Rückkehr erzählt:
„Also mein Fazit zum Weltcup Finale ist natürlich sehr positiv. Die Medaille bedeutet mir wirklich sehr viel. Die kurzfristige Einladung hat meinen ganzen August etwas durcheinander gebracht aber ich hatte eine so tolle Zeit und habe so wahnsinnig viel auch aus meiner Vorbereitung heraus gelernt. Am Ende sieht man nur das Ergebnis, aber nicht das, was da dahinter gesteckt ist. Es haben mir so viele Menschen geholfen und mich unterstützt. Egal ob mein Trainer Oliver Haidn, meine Psychologin, mein Physio, meine Teamkollegen, meine Familie, meine Freunde – jeder hat mich wahnsinnig toll unterstützt und das mit möglich gemacht.
Ich bin stolz auf mich und auf das, was ich geschafft habe.
Als Sportler*in ist man doch immer sehr selbstkritisch und perfektionistisch. So eine Medaille lässt viele Zweifel und Ängste verschwinden und gibt einen Zuversicht für die Zukunft.“
Saltillo hautnah: Kathis Vlogs
Wie sich die Wochen zwischen Einladung, Vorbereitung und Finale angefühlt haben, zeigt Kathi auf ihren Social-Media-Kanälen. In ihren Vlogs nimmt sie ihre Community mit, vor, während und nach dem World Cup Final. Unbedingt reinschauen: @_kaathi__

Raab mit starkem Debüt
Neben Bauer war auch Katharina Raab in Saltillo am Start. Die 27-jährige Compound-Schützin aus Wertach hatte sich mit Rang fünf in Puebla und Rang sechs in Antalya regulär qualifiziert. Damit war sie die erste deutsche Compound-Athletin beim Weltcupfinale seit Kristina Heigenhauser 2013. Im Viertelfinale wartete mit der Kolumbianerin Sara López ausgerechnet die Rekord-Weltcupsiegerin. Raab hielt auf Augenhöhe mit: Zwei Passen endeten unentschieden mit 30:30 und 29:29, eine entschied Raab mit 30:29 für sich. Am Ende fehlte ein einziger Ring, López setzte sich mit 148:147 durch und holte später Bronze. Für Raab bedeutete das Rang fünf bei ihrer ersten Finalteilnahme, eine Leistung, die Lust auf mehr macht.

Historischer Sieg für Nico Wiener
Im Compound-Wettbewerb der Herren schrieb Nico Wiener Geschichte. Als erster Österreicher überhaupt krönte er sich zum Weltcup-Sieger, und das auf denkbar knappe Weise. Im Viertelfinale bezwang er den amtierenden Weltmeister Nicolas Girard aus Frankreich mit 149:148. Im Halbfinale schlug er Madrid-Sieger Pablo Gómez Zuluaga aus Kolumbien mit 148:147, im Goldfinale den Weltranglistenersten Mathias Fullerton aus Dänemark ebenfalls mit 148:147. Jeden Zehner und jeden Sieg feierte er lautstark. „Man muss das feiern, weil es so schwer ist, überhaupt ins Weltcupfinale zu kommen“, sagte der Weltmeister von 2021. Auf Instagram zeigte er sich danach überwältigt: „Ich bin sprachlos. Ich hätte mir nie vorstellen können, ein Weltcupfinale zu gewinnen – aber ich habe es geschafft.“ Ein besonderer Dank ging an seine Mutter Bettina, die ihn in Saltillo als Trainerin betreute, sowie an seinen Vater, der ihn aus der Ferne unterstützte und dafür sorgte, dass sein Material perfekt abgestimmt war.
Gold, Silber und ein Debüt auf Augenhöhe: Saltillo war aus deutschsprachiger Sicht ein Saisonfinale nach Maß. Wie Katharina Bauer sich auf ihren großen Auftritt vorbereitet hat, lest Ihr im ausführlichen Interview in der aktuellen Ausgabe des Bogensport Magazins.
(Fotos: World Archery)