Mythen und Fakten des Feldbogenschießens

Als ich vor 30 Jahren mit dem Bogenschießen anfing sagte man mir: „Im Feld schießen nur die, die in der FITA nichts treffen!“ Damals holte aber ein gewisser Jay Barrs bei der Olympiade in Seoul die Goldmedaille!

Er war dann aber auch noch mehrfacher Weltmeister im Feldbogenschießen! Meine Skepsis an solchen pauschalen Aussagen war also geweckt! Sein Nachfolger war dann Sebastian Flute; auch Weltmeister im Feldbogen. Simon Fairweather, Michele Frangili, Brady Ellison und aus deutscher Sicht Elena Richter und Lisa Unruh sind nur ein par Beispiele für erfolgreiche Olympiateilnehmer, die sich aber auch die WM Krone im Feldschießen aufsetzten. Aktuell wird Lisa Unruh uns neben Sebastian Rohrberg und Manja Conrad im Feldschießen bei den Worldgames in Breslau/ Polen vertreten. Ich habe jetzt nur ein paar Recurver aufgezählt, wenn man sich die Compoundschützen genau anschaut, findet man die Top Feldschützen auch bei den Weltcups der WA. Die oben genannte Aussage ist also nachweislich totaler Quatsch!

Dennoch gibt es bei uns Trainer, Vereinsvorsitzende und Referenten, die hartnäckig daran festhalten und alles dafür tun, die Schützen vom Feldschießen abzuhalten. In manchen Verbänden fliegt man sogar aus dem Kader, wenn man an Feldbogenmeisterschaften teilnimmt; Unterstützung (Kaderarbeit auf Landesebene) gibt es fast gar nicht mehr.

Dabei sind es die Feldschützen, die jedes mal bei Welt-, Europameisterschaften und Worldgames Medaillen mit nach Hause bringen. Ist es Neid oder hat man Angst die Schützen könnten Gefallen daran finden? Selbst wenn, welchen Nachteil soll das haben? Es war auch Jay Barrs, der sagte: “Fieldarchery Is A Thinking Man`s Sport”!

Vielleicht liegt es daran. Fakt ist, dass Feldschießen mit etlichen Vorurteilen belastet ist. Manche glauben gar, es gäbe einen Feldbogen und verstehen darunter einen Langbogen. Es ist eine Disziplin, die mit den verschiedensten Bögen vom Lang- bis zum Compoundbogen geschossen wird!

Oft wird gesagt: Man kann doch nicht mit einem Recurve Visierbogen mit Stabis etc. durch den Wald gehen. Diese Aussagen kommen immer nur von voreingenommenen Leuten, die es noch nie probiert haben. Ich habe in 30 Jahren noch keinen Parcours gesehen, der dies nicht zulässt.

Wer im Feld etwas erreichen will, muss sich einer viel komplexeren Aufgabe stellen als auf dem Platz und dabei trotzdem einen sauberen Schießstil beherrschen. An jeder Scheibe muss man sich aufs Neue mit Entfernung, Winkel, Schräglage, Lichteinfall und dem Stand etc. beschäftigen, die entsprechenden Einstellungen und Korrekturen vornehmen und dann auch noch innerhalb des Zeitlimits sauber schießen. Viele behaupten ja von den WA Schützen, sie würden unerlaubt die Entfernungen messen und deshalb dort nicht schießen! Tatsache ist aber, dass dies nirgendwo im Regelwerk verboten ist!

Es wird nur aufgeführt, was man nicht dazu verwenden darf! Also Entfernungsmesser, Ferngläser mit entsprechender Vorrichtung, Kameras und Smartphones etc. Wenn man also Teile seines Bogens, wie Visier, Scope, Wasserwaage, Button etc. zum Abgleich der Entfernung und markante Punkte wie Kanten, Schrauben, Beschriftung, Limbsaver etc. zur Winkelbestimmung verwendet, dann ist das legitim. Man darf nur nichts am Bogen anbringen oder modifizieren, das nur diesem Zweck dient.

Das alles ist recht aufwändig, denn es gehört doch einiges an Vorbereitung dazu und man muss diese Dinge auch trainieren. Es ist eine zusätzlich erforderliche Kunst. Wer sie beherrscht, hat seinen Vorteil und wer da mitmischen will, muss es halt lernen. Man sollte es als Herausforderung sehen und diese  auch annehmen.

Bei IFAA / DFBV Meisterschaften sind Lasermessgeräte für Entfernung und Winkel übrigens erlaubt, die Entfernungen sind alle bekannt. Hier ist die Teilnahme an internationalen Meisterschaften jedem Mitglied freigestellt (WFAC, EFAC), weswegen an diesen Meisterschaften bis zu 1200 Sportler teilnehmen.

Bei der WA Welt- und Europameisterschaften müssen die Teilnehmer über die nationalen Mitgliedsverbände gemeldet werden; die Anzahl der Teilnehmer ist auf 3 pro Nation, Stilart und Klasse beschränkt. Das bedeutet, die Verbände schicken ihre Besten zur WM oder EM. Die Auswahl geschieht über Ausscheidungsturniere (dieses Jahr z.B. Anfang Juli in Delmenhorst). Auch hier ist ein Vorurteil weit verbreitet: „…man kann ja schießen, was man will, es fahren eh immer die Gleichen!“ Auch das ist falsch. Die Auswahlkriterien werden Anfang des Jahres vom DSB durch das Ausschreibungsheft, welches über die Landesverbände an die Vereine weiterverteilt werden soll, veröffentlicht! Die Erfahrung zeigt aber leider, dass diese Ausschreibungen nie an der Basis, den Schützen, ankommt. Schon mal gar nicht bei den Feldschützen. Man kann es sich aber als interessierter Sportschütze auch auf der DSB Website unter Publikationen herunterladen.

Wer die Auflagen erfüllt und sich bei der Ausscheidung durchsetzt, ist in der Regel auch dabei. Aber man braucht gar nicht so hohe Ziele, um Feld zu schießen. Allein das Schießen und Wandern verbunden mit der Herausforderung an Mensch und Material im Einklang mit der Natur, dies zum Teil vor atemberaubend schöner Kulisse ist einen Versuch wert!

Peter Lange, Bundestrainer Feld.

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