10.09.2026

Fünf Fragen an Kathi Bauer

Das große Saisonfinale steht bevor: Am 12. und 13. September trifft sich die Weltspitze des Bogensports in Saltillo, Mexiko, zum Hyundai Archery World Cup Final. Katharina Bauer ist kurzfristig ins Recurve-Frauenfeld gerückt – und reist mit Rückenwind aus einer starken Weltcup-Saison nach Mexiko. Wir haben vor dem Finale mit ihr über ihre Entwicklung, die besondere Ausgangslage und ihre Vorbereitung gesprochen.

BSM: Du bist in Saltillo als Nachrückerin dabei, nachdem mit Yu Qi, Kang Chaeyoung und Zhu Jingyi gleich drei ursprünglich qualifizierte Schützinnen wegen der Asian Games zurückgezogen haben. Wie hast du erfahren, dass du ins World Cup Final nachrückst – und was war dein erster Gedanke, als du wusstest: Ich fahre tatsächlich nach Saltillo?

Kathi: Ich habe überraschend Anfang August eine recht unscheinbare Mail von WorldArchery bekommen mit dem Betreff „your invitation for the 2026 WorldCup final“.
Mal wieder hatte ich zuerst Spam-Verdacht, aber nachdem ich alle Absender und auch Empfänger kontrolliert habe, war mir klar: das ist kein Fake.
Ich hab mich soo gefreut und erstmal einen lauten Schrei losgelassen 😀

BSM: Von Platz 17 in Puebla über Platz 12 in Antalya bis zu Platz sechs in Madrid im Einzelwettbewerb: Wie erklärst du dir selbst diese Entwicklung deiner Einzelergebnisse? Gab es im Laufe der Saison etwas an deinem Training, deinem Schießen oder deinem Setup, das dabei einen Unterschied gemacht hat – oder einen Moment, an dem du gemerkt hast: Bei mir bewegt sich gerade etwas in die richtige Richtung?

Kathi: Meine Saison ist immer ein Prozess. Ich nehme aus jedem Wettkampf was mit nach Hause, arbeite dann daran und setze es dann beim nächsten Wettkampf um.
So war es auch in diesem Jahr. Wobei ich sagen muss, dass bis vor dem Weltcup in Antalya mein persönlicher Fokus klar auf dem Mannschaftswettbewerb lag und ich mich darauf mental einfach mehr vorbereitet habe, wie auf mein Einzel.
Nach Abschluss der EM habe ich dann mit Oliver Haidn einige Gespräche geführt. Es ging vor allem darum, meinen persönlichen Fokus mehr auf meinen Einzel-Wettbewerb zu legen. Ich habe mir ein Konzept für mich überlegt: Was brauche ich? Was muss ich anders trainieren? Wie kann ich das im Wettkampf umsetzen? Mit welcher Einstellung gehe ich in den Wettkampf? Was sind meine klaren Ziele?
In Antalya habe ich das meiste schon recht gut umsetzen können. Beim letzten Weltcup in Madrid ging das Konzept dann nochmal mehr auf und ich hab einen guten 6. Platz (und somit auch eins meiner Ziele) erreicht.

BSM: Durch deine vergleichsweise kurzfristige Teilnahme am World Cup Final bleibt dir weniger Zeit, dich auf Saltillo einzustellen. Wie gehst du mit dieser Situation um – was bedeutet das für deine Planung und dein Zeitmanagement zwischen Leistungssport und deinem Job bei der DAK-Gesundheit? Und wie reagieren dein Arbeitgeber und dein Umfeld auf eine solche spontane Situation?

Kathi: Ich habe mich dieser Situation freudig angenommen. Mein August war ursprünglich etwas ruhiger geplant. Gerne verschiebe ich aber für das Finale meinen Urlaub und meine Saisonpause etwas nach hinten 🙂
Ich liebe den Bogensport und das Training und habe mir daher sofort einen neuen Plan für die Zeit und die Vorbereitung überlegt. Ich habe Aufgaben, Zwischenziele und ein allgemeines Ziel festgelegt und gleich mit der Vorbereitung begonnen.
Von meinem Arbeitgeber, der DAK-Gesundheit, habe ich auch vollsten Zuspruch und Unterstützung erhalten. Es gibt mir immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass mir auch dort jederzeit der Rücken gestärkt und frei gehalten wird.
Mein Umfeld hat sich mindestens genauso gefreut, wie ich mich gefreut habe. Deswegen wurde da auch auf mich und die neue Situation Rücksicht genommen und überall unterstützt. Dafür bin ich jedem sehr dankbar!

BSM: World Archery selbst beschreibt das Recurve-Frauenfeld in Saltillo als besonders offen. Gleichzeitig gehst du mit Platz 16 im World Ranking ins Finale. Wie blickst du auf diese Ausgangslage – und was bedeutet sie für dich, wenn du an die bevorstehenden Matches denkst?

Kathi: Beim Weltcup-Finale wird die komplette Saison auf „Null gesetzt“. Die Siegerin wird an einem Nachmittag mit nur wenigen Pfeilen ermittelt. Die Person, die an diesem Tag gut drauf ist, das gewisse Quäntchen Glück hat und überzeugt seine Schüsse machen kann, die wird Matches gewinnen.
Ich bewerte daher meine Ausgangslage nicht über.
Ich habe in meiner Vorbereitung alles gegeben, fühle mich bereit und möchte diese besondere Zeit in Mexiko genießen.

BSM: Wenn wir nach Saltillo noch einmal miteinander sprechen: Was würdest du dir wünschen, dass du dann über dieses World Cup Final erzählen kannst?

Kathi: Ich würde euch gerne erzählen können, dass ich mich gut fühle, dass ich riskiert habe und nichts von allem bereue.
Ich möchte in Mexiko die Dinge aus dem Training umsetzen und möchte am Ende nach Hause fahren und mir sagen können „Hey, meine Vorbereitung der letzten Wochen hat sich ausgezahlt! Mein Plan ist an vielen Stellen aufgegangen und ich habe die Momente genossen!“

BSM: Liebe Kathi, vielen Dank für deine Zeit und ganz viel Erfolg beim World Cup Finale!