09.06.2026

Editorial zur Ausgabe 3/2026

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

folgte man der oft bemühten Lebensweisheit „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, könnte das Leben doch so einfach sein. Bedeutet sie doch unterm Strich nichts anderes als: Du musst nur mutig sein, und dir wird alles gelingen. Natürlich gibt es Störfaktoren, und selbstverständlich kann man mit seiner Einschätzung auch mal daneben liegen – aber letztendlich: Mit ordentlich Chuzpe und Durchhaltevermögen lassen sich doch alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Wären da nicht die Behörden. Diese bittere Erfahrung musste unser Autor Engelbert Tschernitsch machen, der eigentlich nur seinen Traum vom eigenen Parcours in die Realität umsetzen wollte. Es begann eine Odyssee, bei der unser Autor zum Experten für alle nur denkbaren Verwaltungsvorschriften mutierte – und daran (ver)zweifelte. Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich muss es Regeln geben, und selbstverständlich müssen Aspekte der Sicherheit und des Umweltschutzes Berücksichtigung finden. Doch nicht immer – wahrscheinlich sogar eher selten – lassen sich ambitionierte Vorhaben 1:1 in ein starres Gerüst aus Auflagen und Vorschriften pressen. Hier täte etwas Ermessensspielraum gut, oder, um es mit einer anderen Weisheit auszudrücken: Man darf die Fünfe ruhig auch mal gerade sein lassen. Das Miteinander wäre in vielen Fällen einfacher und harmonischer. Am Ende gab es dann doch noch ein Happy End, oder, um noch eines draufzusetzen: Steter Tropfen höhlt den Stein.

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„Im Leistungssport ist es eigentlich keine Option, jemanden daheim zu lassen, weil die Familie die finanzielle Ausstattung nicht hat.“ Dieser Satz mit großer Aussagekraft stammt von Stefan Schäffer, dem disziplinverantwortlichen Landestrainer „Bogen“ beim Bayerischen Schützenverband und entspringt keineswegs einem Wunschdenken, sondern einer gelebten Praxis. Hintergrund: Das Trainingslager einer Gruppe von Nachwuchsschützinnen und -schützen im norditalienischen Rovereto, für das der finanzielle Eigenanteil nahezu bei null gehalten werden konnte. Schäffer weiß natürlich, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, sondern der konkreten finanziellen Situation des Verbandes und dem persönlichen Einsatz vieler engagierter Menschen geschuldet ist. Dennoch wird eindrucksvoll klar, dass es in erster Linie um das jeweilige Talent, das individuelle Können und somit ausschließlich um den Sport geht – völlig unabhängig davon, welche finanziellen Verhältnisse im Einzelfall gegeben sind. Das ist vorbildlich, nachahmenswert und nicht nur eine Zielgröße für den Sport, sondern für etliche Lebensbereiche, in denen das Miteinander und das Zusammenspiel der Einzelnen eine maßgebliche Rolle spielen. Dass in diesem Fall der Sport Maß aller Dinge war, zeigt ein Blick ins typische Tagesprogramm: Um sieben Uhr Frühsport, dann Frühstück, um neun Uhr Aufwärmprogramm, danach Schießübungen, später dann Kraft-, Athletik- und Koordinationseinheiten. Bei dieser – für mich sehr mühsam anmutenden – Vorstellung drängt sich mir die nächste Lebensweisheit auf: „Ohne Fleiß kein Preis“ (oder im Coaching-Jargon: „Success is earned, not given“) – ich persönlich hätte die Prioritäten für mich selbst wahrscheinlich etwas anders gesetzt …

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Nun zu einem Thema, das ich an dieser Stelle schon öfter aufgegriffen habe. Es geht um die Krux, wie wir als Fachmagazin mit sechs über das Jahr gleichmäßig verteilten Erscheinungsterminen mit großen Bogensport-Events umgehen. Unsere Erscheinungstermine sind durch technische und logistische Gegebenheiten fix; darüber hinaus schert sich – durchaus nachvollziehbar – kein Veranstalter um irgendwelche Deadlines für Redaktionsschluss oder Druckabgabe. Wieso auch: In der digitalen Welt sind die gedruckten Medien naturgemäß hintendran; zudem fehlen Audio und Video, was eine andere Herangehensweise an die Berichterstattung unabdingbar macht. Wir sind zu dem Schluss gelangt, dass wir keineswegs auf die großen, spektakulären Events (wie JVD-Open, Nîmes Archery Tournament, Vegas Shoot …) verzichten wollen, hierbei aber einen anderen Blickwinkel einnehmen müssen. So werden Sie die klassische Wettbewerbsberichterstattung (Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel) nur sehr kompakt im gedruckten Magazin finden. Stattdessen, so hoffen wir, werden Sie die ausführlichen Erlebnisberichte unserer Autoren, die tatsächlich „mittendrin statt nur dabei“ waren (ich weiß: Slogan geklaut), mit Freude und Interesse lesen. Unser Ziel in diesem Zusammenhang: lesenswerte Geschichten ohne Aktualitätszwang. So spielt es keine entscheidende Rolle, dass unser Autor Niels Buitenhuis erst in dieser Juni-Ausgabe über seinen Einsatz beim „The Vegas Shoot“ berichtet. Es sind die persönlichen Eindrücke und Erlebnisse, die diese Geschichten lesenswert machen – und bewusst nicht der Nachrichtenwert, den wir in solchen Situationen gerne und deutlich aktueller über unsere digitalen Kanäle ausspielen.

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Wie war das mit den Ausnahmen? Auf den ersten Hyundai Archery World Cup der Saison (Puebla) und den European Grand Prix gehen wir dann doch etwas ausführlicher ein. Doch nicht nur bei der „Generalprobe“ in Antalya konnten die Deutschen Sportlerinnen und Sportler überzeugende Ergebnisse erzielen, auch bei der „eigentlichen“ Bogen-EM – beim Schreiben dieser Zeilen brandaktuell – warteten unsere Teams mit Top-Platzierungen auf. Das BSM-Team gratuliert an dieser Stelle sehr herzlich.

Natürlich kommen auch in dieser Ausgabe die News, Trainingstipps und Material-Basics nicht zu kurz, wir wünschen (wie immer!) viel Spaß bei der Lektüre

Herzlichst,

Ihr Axel Ziegler

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