01.05.2024

Dr. Spot: Fragen an das BSM-Experten-Team

Nach dem Motto „Sie fragen – wir antworten“ veröffentlicht das BSM regelmäßig hilfreiche Tipps rund ums Bogenschießen. Wenn Sie ebenfalls mal Rat & Hilfe unseres Experten-Teams benötigen, lassen Sie es uns gerne wissen: dr.spot@bogensport.de. Im Folgenden lesen Sie Fragen und Antworten aus der Ausgabe 2/2024.

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Frage an das Experten-Team:

„Meine Frage betrifft die Wraps, welche viele Schützen an ihren Pfeilen benutzen. Abgesehen von dem Vorteil, dass man beim Neubefiedern von Pfeilen mit Kleber – nicht mit doppelseitigem Klebeband – die Oberfläche von Carbonschäften schont, haben die Wraps auch Einfluss auf den Spine des jeweiligen Schaftes? Und wenn ja, wie wird der Pfeil beeinflusst? Ich denke durch die „Verstärkung“ des Schaftes im hinteren Bereich müsste der Pfeil etwas härter/steifer reagieren, oder?“

Antwort von Maximilian Weckmüller:

Bei der Verwendung von Wraps ist das Befiedern vor allem mit Sekundenkleber deutlich schonender und sehr einfach. Aber auch mit Klebestreifen ist es meiner Meinung nach simpel, da die alten Streifen unkompliziert entfernt werden können. Außerdem sind auf den Wraps immer gut lesbare Nummern und Beschriftung drauf. Bezüglich des Verhaltens des Pfeils kann man sagen, dass die Wraps den Pfeil grundsätzlich ein bisschen steifer machen, da man am Heck Gewicht hinzufügt. Ich denke, dass die „Verstärkung“ des Pfeils da weniger eine Rolle spielt als das Gewicht. Aber auch da gibt es zumindest von „Custommade Wraps“ verschiedene Optionen. Neben den normal langen Wraps gibt es ausgeschnittene und kürzere „ultra-light-Wraps“ sowie auch sehr kurze, bei denen die Beschriftung zwischen der Befiederung platziert ist und nicht davor ist.

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Frage an das Experten-Team:

„Meine erste Frage: Ich bin kurzsichtig, sehe in der Ferne alles verschwommen. Daher trage ich eine Gleitsichtbrille. Ich habe jedoch immer wieder Probleme beim Zielen. Ich sehe nicht scharf. Was wäre die Lösung? Mein Optiker schlägt vor, eine Einstärkenbrille zu machen und die Zentrierung auf das Zielen mit dem Recurve-Bogen abzustimmen. Ist das die Lösung?
Meine zweite Frage: Was für Brillen tragen die Profis? Mete Gazoz, Thomas Chirault, Chiara Rebagliati? Einstärkenbrillen? Weshalb tragen die Profis immer Brillen mit großen Gläsern?“

Antwort von Günter Kuhr:

Es ist eine sehr individuelle Frage, welche Brille beim Bogenschießen ideal ist. Die Kopfposition innerhalb der Schießtechnik ist relevant. Einige Bogenschützen können beispielsweise den Kopf nicht weit genug eindrehen und so liegt dann der Nasensteg im Zielbereich. Hier könnte eine Brille ohne Nasensteg hilfreich sein. Ist das Kinn leicht angehoben, wird die Gleitsichtbrille Probleme machen. Technisch könnte dann geprüft werden, ob die Kopfposition leicht geneigt werden kann. In dem Fall muss dann auch die Sehne am Kinn neu positioniert werden. Der Kopf sollte dabei immer in der natürlichen Ausrichtung bleiben. Andernfalls sind Einstärkengläser sinnvoll. Bei den Gläsern kann es gerade im Randbereich zu optischen Irritationen kommen, so dass der Bogensportler das Ziel nicht an der Stelle sieht, wo es eigentlich ist oder sich das Zielbild verzerrt oder unscharf darstellt. Daher sind große Gläser ein Vorteil. Einen Fachartikel zum Thema „Worauf Brillenträger achten sollten – Die Brille und ihre Auswirkung beim Bogenschießen“ ist nachzulesen in der Ausgabe 2/2021 des BOGENSPORT MAGAZINs. Welche Brillen die genannten Spitzensportler tragen, ist der Redaktion im einzelnen nicht bekannt. Wir hoffen, dass diese kurzen Ausführungen hilfreich sind.

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Frage an das Experten-Team:

„Gibt es eine empfohlene Länge für die Fingerschlinge beim Recurvebogen? Wann ist sie zu kurz und wann ist sie zu lang?“

Antwort von Lisa Unruh:

Das ist wirklich eine sehr gute Frage. Das Thema Fingerschlingenlänge wird äußerst stiefmütterlich behandelt bzw. wird grundsätzlich in die Hand des Schützen gelegt. Tatsächlich ist die Länge aber sehr entscheidend. Wenn sie zu lang ist und der Bogen einen zu weiten Weg des Fallens hat, neigt der Bogenschütze dazu, unbewusst ein wenig zuzugreifen. Das wiederum verstärkt andere Fehler, wie z.B. ein Zusammenfallen oder Nachvornelösen.

Zu kurze Schlingen sind unangenehm und tun nach einer Weile weh. Außerdem führt eine zu kurze Schlinge oft zu mehr Spannung in der Hand, da der Bogen direkt an ihr zieht. Bei einer guten Länge kann der Bogen ein Stück frei nach vorne fliegen. Und sie ist kurz genug, dass man nicht das Gefühl bekommt, der Bogen würde komplett aus der Hand fallen.

Für mich ist die Länge immer so, dass ich mit dem Zeigefinger noch den Pfeil unter den Klicker legen kann.

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Frage an das Experten-Team:

„Welche Apps für das Handy oder das Tablet sind im Training sinnvoll und werden im Leistungssport eingesetzt?“

Antwort von Michelle Kroppen:

Zum Aufzeichnen der Trefferbilder gibt es 2 Apps, die ein wenig Geld kosten, aber wirklich mit Abstand am besten funktionieren. Für Android-Geräte heißt die App „Artemis“ und bei iOS gibt es eine App mit dem Namen „ArcherySucces“. Dort können auch jegliche Informationen über das Material sowie die geschossenen Pfeilzahlen eingetragen werden. Es gibt auch noch andere Apps, die kostenlos sind, aber deutlich weniger Informationen bieten. Die Kosten für eine der beiden oben genannten Apps lohnen sich in meinen Augen in jedem Fall. Des Weiteren sind jegliche Apps mit „Video-Delay“ sehr hilfreich, um sich seinen Schuss nochmal per Video anzuschauen. Man setzt die Verzögerung auf beispielsweise 8 Sekunden, dann macht man den Schuss und kann sich die Wiederholung auf Handy oder Tablet anschauen. Außerdem benutze ich noch Timer-Apps wie zum Beispiel „Seconds“ oder „Intervall Timer“ um die vorgegebene Zeit von Wettkämpfen im Training zu simulieren.

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Frage an das Experten-Team:

„In der Bedienungsanleitung zu meinem Bogen ist der empfohlene Bereich für die Standhöhe der Sehne recht variabel. Wie kann ich für mich die optimale Standhöhe herausfinden?“

Antwort von Maximilian Weckmüller:

Ich würde immer erst einmal relativ in der Mitte der vorgegebenen Standhöhe beginnen. Bei meinem 70″ Hoyt Formula XD ist der Bereich von 22,2-24,1cm angegeben und ich schieße 23,4 – also nicht weit vom Mittelwert. Als erstes kann man immer etwas nach dem Klang gehen. Aber jeder sollte ab einem gewissen Niveau seine Standhöhe ausschießen, dafür gibt es verschiedene Wege. Wir schießen entweder eine Art „Walk-Back-Test“ und zielen dabei auf eine senkrechte Linie. Von den Entfernungen 2, 4, 6, 8, 10, 12 Meter versucht man, alle Pfeile auf die senkrechte Linie zu schießen. Das Ganze macht man z.B. in 2-mm-Schritten der Standhöhe und schaut am Ende, welche Einstellung am Besten ist. Oder man schießt auf seine Wettkampfentfernung und spielt solange mit der Standhöhe rum, bis die Gruppierung am Besten ist. Je nachdem, ob man einen anderen Griff schießt, können die vorgeschlagenen Werte nicht exakt sein, wenn man zum Pivot Point misst. Deshalb messen einige von der Sehne bis zum Button.

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Frage an das Experten-Team:

„Ist ein weicher Stabi nicht besser als ein extrem steifer Stabi, um Vibrationen aufzunehmen?“

Antwort von Maximilian Weckmüller:

Ein weicher Stabilisator kann auch gut Schwingungen aufnehmen, allerdings verhält sich ein steiferer Stabi bei höherem Zuggewicht besser. Die heutigen, relativ steifen Stabilisatoren verwenden meines Wissens nach Carbonrohre, die trotz der Steifheit auch eine gute Schwingungsdämpfung haben. Meistens wird noch ein Dämpfer am Ende des Stabilisators verwendet und/oder der jeweilige Stabilisator hat interne Dämpfung mit Gummi, Pulver oder Ähnlichem, um den ersten Schlag des Abschusses aufzunehmen. Dazu kommt, dass der steifere Stabi beim Zielen Muskelbewegungen nicht verstärkt und sich somit ruhiger und präziser zielen lässt. Man muss das Stabi-Setup nicht nur von der Gewichtsverteilung, sondern auch von Art und Steifigkeit des Dämpfers abstimmen. Nach meiner Erfahrung ist ein relativ steifer Stabi mit viel Gewicht, aber eher steifen oder keinen Dämpfern am angenehmsten.


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1. Schicken Sie uns Ihre Frage per Mail an dr.spot@bogensport.de
2. Bitte stellen Sie pro Mail nur EINE Frage
3. Formulieren Sie Ihre Frage so kurz und verständlich wie möglich