Bundesligafinale Bogen: Doppel-Interview mit Katharina Bauer & Cedric Rieger

Sowohl für Katharina Bauer (24 Jahre, FSG Tacherting) als auch Cedric Rieger (32 Jahre, BSG Ebersberg) steht das Jahr 2020 ganz im Zeichen der Olympischen Spiele, für die sich beide noch qualifizieren können. Davor stehen noch einige Höhepunkte auf der Tagesordnung, so beispielsweise das Bundesligafinale am 29. Februar in Wiesbaden, bei dem Südmeister Tacherting und Titelverteidiger Ebersberg ganz heiße Titelkandidaten sind. Im Doppel-Interview äußern sie sich dazu.
Foto: BSG Ebersberg / Cedric Rieger gibt sich zuversichtlich für das Bundesligafinale.
Foto: BSG Ebersberg / Cedric Rieger gibt sich zuversichtlich für das Bundesligafinale.

Souverän als Erster (Tacherting) bzw. Zweiter (Ebersberg) habt ihr euch für das Bundesligafinale qualifiziert. War es ein Spaziergang oder sieht das nur tabellarisch so aus?
Katharina Bauer: „Es war auf jeden Fall kein Spaziergang. Unser Ziel ist jedes Jahr von Anfang an, dass wir uns für das Finale qualifizieren. Am Saisonanfang weiß man zwar, wie wir aus unserer Mannschaft so schießen, aber wir wissen nie genau, wie die anderen Mannschaften so aufgestellt sind und wie die Schützen von den anderen genau drauf sind. Bei uns waren tatsächlich auch Matches gegen „Nicht-Favoriten“ teilweise sehr spannend und auch manchmal knapp. Aber das macht ja die Liga bekanntermaßen so spannend.“
Cedric Rieger: „Spaziergang wird den anderen Vereinen und den Leistungen aller sicher nicht gerecht. Man muss jedes Match für sich konzentriert beginnen und die Anspannung während des Wettkampfes hoch halten. Wir haben im Vorfeld und während der gesamten Saison hart an uns gearbeitet und haben uns mit dem zweiten Tabellenplatz belohnt.“

Cedric, Ebersberg hat sich den Luxus erlaubt, beim ersten von vier Vorrunden-Wochenenden ohne das Top-Trio anzutreten. Wart ihr euch so sicher, dass ihr es dennoch schafft?
Cedric Rieger: „Nein, das hat mit sicher fühlen nichts zu tun. Einige Mannschaftkameraden waren an dem Tag in Holland bei „Kings of Archery“ zugegen. Das war schon länger bekannt, und wir haben volles Vertrauen in jeden Schützen aus unserem Team.“

Aus sportlicher Sicht ist es einmalig auf der Welt und auch das Ambiente und die Zuschauer sind für uns Sportler immer wieder ein Erlebnis!

Cedric Rieger, über das Bundesligafinale

Katharina, euer Team besteht aus fünf Kaderschützen. Macht es das einfacher oder schwieriger, weil ja jeder immer schießen möchte? Wer legt fest, wer schießt?
Katharina Bauer: „Unser Trainer Helmut Huber bezeichnet es immer als „Luxus“, dass er aus fünf Kaderschützen auswählen darf. Er legt circa eine Woche vor dem jeweiligen Wettkampftag eine Startaufstellung fest, in der jeder Schütze dieselbe Anzahl an Einsätzen bekommt. Das halte ich für eine sehr gute Lösung, da von Anfang an jeder von uns genau weiß, wann er schießen darf. Das bringt zum einen Ruhe in unser Team und zum anderen vermeidet das auch negative Gedanken, wenn man ausgewechselt wird. Diese Saison war es sogar so, dass an den ersten drei Wettkampftagen jeweils einer von uns freiwillig in unserer zweiten Mannschaft in der zweiten Bundesliga ausgeholfen hat. Das hat den Vorteil, dass dann jeder von uns noch mehr Einsätze und Erfahrung am jeweiligen Wettkampftag hat.“

Foto: FSG Tacherting / Katharina Bauer setzt beim Bundesligafinale auf ein ausgeglichenes Team und die gute Tagesform.
Foto: FSG Tacherting / Katharina Bauer setzt beim Bundesligafinale auf ein ausgeglichenes Team und die gute Tagesform.

Mit 9,83 Ringen (Rieger) bzw. 9,66 Ringen (Bauer) wart ihr die besten Schützen in eurem Team. Gibt es einen internen Wettstreit darum und spornt das zusätzlich an?
Katharina Bauer: „Bei uns gibt es keinen internen Wettstreit darüber. Jeder gönnt es jedem, und wir liegen ja alle ganz knapp beieinander. Wir haben einen anderen internen Wettstreit und dieser hat einen ganz hohen Stellenwert: Bei uns wird mitgeschrieben, wer bei einer 59-er Passe die einzige Neun geschossen hat. Die Person bekommt dann einen Strich auf die Hand. Wer bei einer 58-er eine Acht geschossen hat, bekommt sogar zwei Striche. Bei einer 60 bekommt unser Trainer einen Strich. Am Ende der Saison wird dann geschaut, wer die meisten Striche gesammelt hat. Die Striche müssen dann beim Bundesligafinale traditionell bayerisch „eingelöst“ werden…“
Cedric Rieger: „Wir sind Vollblutsportler. Jeder von uns will immer sein Bestes für die Mannschaft, seinen Verein und natürlich auch für sich selbst geben. Wir haben keinen internen Wettstreit über die besten Ringzahlen, dennoch freut es ungemein, wenn man seine persönliche Bestleitung übertrifft und im Verlauf des Wettkampfes bestätigen kann.“

Cedric, du hast beim World Series-Finale in Las Vegas den starken dritten Rang belegt. Wie ordnest du diesen ein?
Cedric Rieger: „Das ist ein sportliches Event auf Weltklasseniveau und war für mich ein sehr gelungener Einstieg ins Jahr 2020. Ich konnte mich mit vielen tollen Schützen messen, und das hat mir gerade im Hinblick auf Olympia und die noch kommende Qualifikation für Tokio einen großen Motivationsschub gegeben.“

Ihr kommt aus den USA und habt dort das olympische 70m-Training forciert. Wie schwierig ist es für euch, von outdoor auf indoor zu schalten?
Katharina Bauer: „Das stimmt, wir fokussieren uns diesen Winter definitiv auf die 70 Meter. Meine 18-Meter Trainingseinheiten kann ich an zehn Fingern abzählen. Bei mir ist es so, dass ich nach längerem 70Meter-Training schon ein paar Pfeile brauche, um mich wieder an die 18-Meter zu gewöhnen. Die Körperhaltung ist da ein bisschen anders und man muss viel genauer zielen. Das hat bisher aber immer ganz gut geklappt.“
Cedric Rieger: „Das ist in der Tat eine Herausforderung sich umzustellen. Sowohl die Körperhaltung als auch die Optik ist aufgrund der unterschiedlichen Entfernungen ein großer Unterschied. Es benötigt schon eine Trainingseinheit, um die gewohnten Abläufe wieder zu spüren und die Sicherheit zu finden.“

Tacherting hat die Südliga gewonnen, in den drei direkten Duellen bei Anwesenheit der Topleute ein Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Ebersberg kassiert. Ein Vor- bzw. Nachteil für das Bundesligafinale oder egal?
Katharina Bauer: „Ich halte es für „egal“. Ganz nach dem Motto „neuer Tag, neues Glück“. Die letzten Matches gegen Ebersberg waren immer sehr eng. Uns fehlte meist für Punkte nur ein Ring und das sind nur ein paar Millimeter. Beim Bundesligafinale kann das Ganze schon wieder ganz anders aussehen.“
Cedric Rieger: „Die zwei Mannschaften sind auf einem sehr hohen Niveau, da muss für einen Sieg alles passen. Aus diesem Grund kann man nicht von einem Vor- bzw. Nachteil sprechen.“

Wie schätzt ihr eure Gruppen beim Bundesligafinale ein?
Katharina Bauer: „Das ist eine schwierige Frage. Wir sind in einer Gruppe mit der SGi Welzheim, BSC BB Berlin und Sherwood BSC Herne. Alle Teams in unserer Gruppe sind sehr erfahren und nicht zum ersten Mal beim Bundesligafinale dabei. Beim Finale kommt es auch auf die Tagesform der einzelnen Schützen an. Deswegen lasse ich mich da überraschen. Es wird auf jeden Fall spannende Matches geben.“
Cedric Rieger: „Im Finale gibt es keine leichten Gegner. Der Nordmeister Dauelsen hat den besten deutschen Schützen in seinen Reihen. Querum hat am letzten Spieltag eine beeindruckende Serie hingelegt und Villingen ist uns aus der Südliga wohlbekannt und immer für eine Überraschung gut. Alles in allem eine interessante Gruppe.“

Welchen Stellenwert hat das Bundesligafinale für euch?
Katharina Bauer: „Das Bundesligafinale ist uns – ich spreche da auch im Namen meiner ganzen Mannschaft – sehr wichtig. Wir fiebern mit dem ganzen Verein das ganze Jahr darauf hin. Deswegen freuen wir uns schon sehr darauf.“
Cedric Rieger: „Für mich ist es das dritte Bundesligafinale, an dem ich teilhaben darf. Es ist ein Ereignis, auf das wir uns alle freuen und es kaum erwarten können. Aus sportlicher Sicht ist es einmalig auf der Welt und auch das Ambiente und die Zuschauer sind für uns Sportler immer wieder ein Erlebnis.“

Wer sind die Anwärter auf den Titel 2020 in Wiesbaden?
Katharina Bauer: „Ich würde auf die BSG Ebersberg tippen. Alle Schützen sind momentan in Topform. Aber ich lasse mich da einfach mal überraschen. Wir wollen da auf jeden Fall auch mitmischen…“
Cedric Rieger: „Um solch einen Titel zu gewinnen, gibt es viele Faktoren, die entscheidend sein können. Das Training, wie man in den Wettkampf kommt und auch die Tagesform. Jeder Verein startet bei null und hat die gleichen Chancen. Am Ende hoffe ich, dass wir ganz oben stehen.“

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Text: DSB

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