Das große Saisonfinale steht bevor: Am 12. und 13. September trifft sich die Weltspitze des Bogensports in Saltillo, Mexiko, zum Hyundai Archery World Cup Final. Katharina Bauer ist kurzfristig ins Recurve-Frauenfeld gerückt – und reist mit Rückenwind aus einer starken Weltcup-Saison nach Mexiko. Wir haben vor dem Finale mit ihr über ihre Entwicklung, die besondere Ausgangslage und ihre Vorbereitung gesprochen.
BSM: Du bist in Saltillo als Nachrückerin dabei, nachdem mit Yu Qi, Kang Chaeyoung und Zhu Jingyi gleich drei ursprünglich qualifizierte Schützinnen wegen der Asian Games zurückgezogen haben. Wie hast du erfahren, dass du ins World Cup Final nachrückst – und was war dein erster Gedanke, als du wusstest: Ich fahre tatsächlich nach Saltillo?
Kathi: Ich habe überraschend Anfang August eine recht unscheinbare Mail von WorldArchery bekommen mit dem Betreff „your invitation for the 2026 WorldCup final“.
Mal wieder hatte ich zuerst Spam-Verdacht, aber nachdem ich alle Absender und auch Empfänger kontrolliert habe, war mir klar: das ist kein Fake.
Ich hab mich soo gefreut und erstmal einen lauten Schrei losgelassen 😀
BSM: Von Platz 17 in Puebla über Platz 12 in Antalya bis zu Platz sechs in Madrid im Einzelwettbewerb: Wie erklärst du dir selbst diese Entwicklung deiner Einzelergebnisse? Gab es im Laufe der Saison etwas an deinem Training, deinem Schießen oder deinem Setup, das dabei einen Unterschied gemacht hat – oder einen Moment, an dem du gemerkt hast: Bei mir bewegt sich gerade etwas in die richtige Richtung?
Kathi: Meine Saison ist immer ein Prozess. Ich nehme aus jedem Wettkampf was mit nach Hause, arbeite dann daran und setze es dann beim nächsten Wettkampf um.
So war es auch in diesem Jahr. Wobei ich sagen muss, dass bis vor dem Weltcup in Antalya mein persönlicher Fokus klar auf dem Mannschaftswettbewerb lag und ich mich darauf mental einfach mehr vorbereitet habe, wie auf mein Einzel.
Nach Abschluss der EM habe ich dann mit Oliver Haidn einige Gespräche geführt. Es ging vor allem darum, meinen persönlichen Fokus mehr auf meinen Einzel-Wettbewerb zu legen. Ich habe mir ein Konzept für mich überlegt: Was brauche ich? Was muss ich anders trainieren? Wie kann ich das im Wettkampf umsetzen? Mit welcher Einstellung gehe ich in den Wettkampf? Was sind meine klaren Ziele?
In Antalya habe ich das meiste schon recht gut umsetzen können. Beim letzten Weltcup in Madrid ging das Konzept dann nochmal mehr auf und ich hab einen guten 6. Platz (und somit auch eins meiner Ziele) erreicht.
BSM: Durch deine vergleichsweise kurzfristige Teilnahme am World Cup Final bleibt dir weniger Zeit, dich auf Saltillo einzustellen. Wie gehst du mit dieser Situation um – was bedeutet das für deine Planung und dein Zeitmanagement zwischen Leistungssport und deinem Job bei der DAK-Gesundheit? Und wie reagieren dein Arbeitgeber und dein Umfeld auf eine solche spontane Situation?
Kathi: Ich habe mich dieser Situation freudig angenommen. Mein August war ursprünglich etwas ruhiger geplant. Gerne verschiebe ich aber für das Finale meinen Urlaub und meine Saisonpause etwas nach hinten 🙂
Ich liebe den Bogensport und das Training und habe mir daher sofort einen neuen Plan für die Zeit und die Vorbereitung überlegt. Ich habe Aufgaben, Zwischenziele und ein allgemeines Ziel festgelegt und gleich mit der Vorbereitung begonnen.
Von meinem Arbeitgeber, der DAK-Gesundheit, habe ich auch vollsten Zuspruch und Unterstützung erhalten. Es gibt mir immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass mir auch dort jederzeit der Rücken gestärkt und frei gehalten wird.
Mein Umfeld hat sich mindestens genauso gefreut, wie ich mich gefreut habe. Deswegen wurde da auch auf mich und die neue Situation Rücksicht genommen und überall unterstützt. Dafür bin ich jedem sehr dankbar!
BSM: World Archery selbst beschreibt das Recurve-Frauenfeld in Saltillo als besonders offen. Gleichzeitig gehst du mit Platz 16 im World Ranking ins Finale. Wie blickst du auf diese Ausgangslage – und was bedeutet sie für dich, wenn du an die bevorstehenden Matches denkst?
Kathi: Beim Weltcup-Finale wird die komplette Saison auf „Null gesetzt“. Die Siegerin wird an einem Nachmittag mit nur wenigen Pfeilen ermittelt. Die Person, die an diesem Tag gut drauf ist, das gewisse Quäntchen Glück hat und überzeugt seine Schüsse machen kann, die wird Matches gewinnen.
Ich bewerte daher meine Ausgangslage nicht über.
Ich habe in meiner Vorbereitung alles gegeben, fühle mich bereit und möchte diese besondere Zeit in Mexiko genießen.
BSM: Wenn wir nach Saltillo noch einmal miteinander sprechen: Was würdest du dir wünschen, dass du dann über dieses World Cup Final erzählen kannst?
Kathi: Ich würde euch gerne erzählen können, dass ich mich gut fühle, dass ich riskiert habe und nichts von allem bereue.
Ich möchte in Mexiko die Dinge aus dem Training umsetzen und möchte am Ende nach Hause fahren und mir sagen können „Hey, meine Vorbereitung der letzten Wochen hat sich ausgezahlt! Mein Plan ist an vielen Stellen aufgegangen und ich habe die Momente genossen!“
BSM: Liebe Kathi, vielen Dank für deine Zeit und ganz viel Erfolg beim World Cup Finale!
Fünf Fragen an Simon MoritzMit Weltmeistertitel, Weltrekord und starken Auftritten gegen die Weltspitze zählt Simon Moritz aktuell zu den größten Talenten im deutschen Compound-Bereich. Im Gespräch mit dem BSM spricht der 17-Jährige über sein rasantes erstes Jahr auf internationaler Bühne, den Umgang mit der Weltelite und seine Ziele für die Zukunft.
BSM: Vor einem Jahr bist du bei deinem allerersten internationalen Turnier direkt Jugend-Weltmeister geworden. Seitdem vergeht kaum ein Wettkampf ohne einen weiteren Erfolg. Schießt du heute noch genauso wie damals – oder hat sich seitdem etwas grundlegend verändert?
Simon: Tatsächlich hat sich an meiner Schießtechnik gar nicht so viel verändert. Ich schieße zielbildabhängig, das heißt, sobald mein Zielbild für mich passt und der Zielpunkt sauber in der Mitte steht, löse ich den Schuss aus. Das hat sich seit der Junioren-WM bewährt. Im Moment arbeite ich aber an einer Veränderung: Ich stelle gerade vom Trigger-Release auf ein Kipprelease um. Dadurch möchte ich lernen, den Schuss noch mehr über Druck und Zug auszulösen und ihn insgesamt noch sauberer und konstanter auszuführen. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht, von dem ich mir aber langfristig noch mehr Stabilität verspreche.
BSM: Bei der EM in Antalya hast du dich gegen Mathias Fullerton, die Nummer eins der Welt, durchgesetzt und später gegen Mike Schlosser um Bronze geschossen. Wie anders ist es, plötzlich gegen Namen anzutreten, die man bisher nur aus Livestreams oder den Ergebnislisten kannte?
Simon: Natürlich merke ich, gegen wen ich gerade schieße. Wenn einem im Match plötzlich die Nummer eins der Welt oder ein anderer Top-Schütze gegenübersteht, ist man am Anfang schon etwas nervöser, vor allem in einem Bronzefinale vor Publikum. Trotzdem versuche ich, mich möglichst schnell auf meinen eigenen Ablauf zu konzentrieren. Während des Matches rückt dann immer mehr in den Hintergrund, wer auf der anderen Scheibe steht, und der Fokus liegt nur noch darauf, einen guten Schuss nach dem anderen zu machen.
BSM: Mit deinen perfekten 150 Ringen und elf X in einem Match hast du im Mai in Garching einen zwölf Jahre alten Weltrekord gebrochen. Geht einem während so eines Matches irgendwann der Rekord durch den Kopf – oder versucht man, genau diesen Gedanken möglichst weit wegzuschieben?
Simon: Der Rekord ist mir tatsächlich schon nach der ersten Passe durch den Kopf gegangen. Ich hatte an diesem Wochenende einfach ein richtig gutes Schussgefühl und die Bedingungen waren nahezu perfekt. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass an diesem Tag eine sehr hohe Ringzahl möglich sein könnte. Gleichzeitig habe ich mit und gegen meine Freunde aus dem Nationalkader geschossen. Das hat die ganze Situation deutlich lockerer gemacht und für eine entspannte Atmosphäre gesorgt. Natürlich war der Gedanke an den Rekord da, aber im Wettkampf lag der Fokus trotzdem darauf, einen guten Schuss nach dem anderen zu machen. Umso schöner war es, am Ende zu realisieren, dass ich den Rekord tatsächlich gebrochen hatte.
BSM: Zwischen Schule, Training und internationalen Wettkämpfen bleibt vermutlich nicht viel Freizeit. Wie sieht dein Alltag aus – und worauf musstest du für den Sport vielleicht bewusst verzichten?
Simon: Natürlich muss immer genug Zeit für das Schießtraining da sein. Genauso wichtig sind für mich aber auch die Schule und ausreichend Erholung. Schlaf spielt dabei eine große Rolle. Ich achte darauf, immer genug zu schlafen, weil ich merke, wie wichtig das für meine Regeneration und meine Leistung ist. Mein Alltag ist deshalb ziemlich strukturiert. Nach der Schule mache ich meistens erst eine kurze Pause, bevor ich zum Training gehe. Diese Balance aus Schule, Erholung und Training hilft mir dabei, konstant gute Leistungen zu bringen und gleichzeitig den Spaß am Sport zu behalten.
BSM: Wenn wir dieses Interview in fünf Jahren noch einmal führen würden: Welche Schlagzeile über dich würdest du dann gerne lesen?
Simon: In den nächsten fünf Jahren möchte ich mich vor allem international weiter durchsetzen und regelmäßig bei Weltcups sowie Europa- und Weltmeisterschaften um Medaillen mitschießen. Der größte Meilenstein wäre für mich aber ganz klar die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Ich glaube, das ist das größte Ziel, das man als Sportler erreichen kann. Bis dahin möchte ich mich Schritt für Schritt weiterentwickeln und jede Erfahrung auf internationaler Ebene nutzen, um diesem Traum näherzukommen.
BSM: Lieber Simon, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
(Foto: World Archery)
Fünf Fragen an Katharina RaabMit starken Auftritten in Puebla und Antalya zählt Katharina Raab aktuell zu den besten deutschen Compound-Schützinnen auf internationaler Bühne. Im Gespräch mit dem BSM spricht die 27-Jährige über bisherigen Weg, kommende Herausforderungen und den Traum von Olympia 2028.
BSM: 700 Ringe in der Quali in Antalya – Karriererekord, Weltrangliste 17 – und das mit 27 Jahren! Hast du das Gefühl, dass du gerade zum richtigen Zeitpunkt in Topform kommst – was und wie lange hat es gebraucht, um auf diesem Niveau anzukommen?
Raab: Ja der Zeitpunkt ist im Moment perfekt. Nachdem ich vom Recurve zum Compound gewechselt habe, habe ich eigentlich nicht mehr damit gerechnet, mir den Traum von den olympischen Spielen erfüllen zu können. Umso mehr motiviert mich jetzt die Möglichkeit in LA dabei sein zu können. Es hat einige Jahre gedauert bis ich diese hohen Ergebnisse auch auf (internationalen) Wettkämpfen schießen konnte. Vor allem die ganzen gesammelten Erfahrungen auf Wettkämpfen haben mir dabei geholfen mich weiter zu verbessern.
BSM: Beim 1. Weltcup in Puebla hast du als beste Deutsche mit Platz fünf überzeugt. Wie bewertest du selbst diesen Saisonstart? Was hat bei diesem Turnier gut funktioniert – und in welchen Bereichen siehst du eventuell noch Luft nach oben?
Raab: Am Anfang hatte ich noch Probleme mit dem Wind. Ich konnte vorher zu Hause wegen Schnee und Kälte noch nicht so oft draußen trainieren. Aber gerade deshalb freut mich, dass ich den Wind im Laufe der Woche immer besser managen konnte. Gerade in den Einzelmatches ist mir das super gelungen. So ein guter Start in die Saison motiviert ungemein und ich bin gespannt wie der Rest laufen wird.
BSM: Knapp zwei Wochen nach Puebla, 700 Ringe in Antalya – 18 mehr als bei der Quali beim Weltcup. Hast du in dieser kurzen Zeit bewusst etwas verändert, oder haben sich einfach die Bedingungen geändert und der Moment gepasst?
Raab: In Antalya hatten wir zwar auch Wind, aber viel weniger Böen und Richtungswechsel als in Puebla. Ich habe zwischen den beiden Wettkämpfen eine Kleinigkeit in meiner Technik angepasst, aber der Hauptfaktor waren die besseren Bedingungen.
BSM: Puebla, Antalya, EM – der Kalender lässt kaum Luft. Den Weltcup in Shanghai dazwischen wirst du nicht bestreiten. Zwangsmaßnahme oder strategische Pause? Und wie geht man als Athletin mit einer Phase um, in der alles so eng aufeinanderfolgt?
Raab: Bei uns durften jeweils 4 Leute zu den World Cups nach Puebla und Shanghai fahren, also jeder aus dem Team zu jeweils einem der beiden Wettkämpfe. Nachdem wir uns im Team abgesprochen haben und einig waren, wer zu welchem World Cup fährt, war ich in Mexiko dabei. Es ist das erste Mal, dass ich so viele Wettkämpfe in kurzer Zeit nacheinander habe. Deshalb muss ich erst einmal herausfinden, wie ich damit am besten umgehe. Eine riesige Hilfe dabei sind auch meine Eltern, die mich dabei sehr unterstützen.
BSM: Kurzfristig die EM im Mai, langfristig 2028? Was nimmst du dir für diesen Sommer vor, und wie konkret ist Olympia 2028 bereits ein Thema für dich?
Raab: Die olympischen Spiele sind schon bei jedem Wettkampf im Hinterkopf. Vor allem bei der EM, da es dort Quotenplätze für die European Games gibt. Dort werden wiederum Quotenplätze für LA vergeben. Deshalb möchte ich bei der EM, aber auch generell in der Saison mein Bestes geben und mich noch weiter verbessern.
BSM: Liebe Katharina, vielen Dank für den Einblick und viel Erfolg für die weitere Saison, vor allem für die anstehende EM!
Foto: World Archery
By Anna Lena Gangluff
Preview from BOGENSPORT Magazine Issue 1/2026
International archery has been producing outstanding athletes for years – Olympic medals, world records and decades-long careers included. Yet visibility and sustainable marketing remain limited. In 2025, Titan Sports launched a project that addresses exactly this gap: high-quality trading cards, digital extensions and a clear focus on the athletes themselves. In conversation with editorial assistant Ferah Noor and author Anna Lena Gangluff, Vanessa and Brody from Titan Sports explain how an idea turned into a licensed product – a discussion about design, idealism and the reality of a young project.
Info:
Tradition Meets Technology: Collectible Card Culture in Germany
Collectible cards and stickers have held a firm place in German pop and sports culture for decades. At the latest with Panini albums for Football World Cups and European Championships, swapping, collecting and completing albums has been part of childhood for many generations – and no longer just for children. Adults, too, invest time and money in complete albums, special editions or limited card series. At the same time, a strong collecting culture has developed in recent years around trading card games such as Pokémon. Pokémon cards are now among the most widely collected
cards worldwide and, depending on condition and rarity, can achieve high market values. This growing interest is reflected not only in retail, but also in the media: collectible cards are increasingly discussed as cultural assets, collector’s items or even long-term
investments. Against this backdrop, the idea of rethinking collectible cards in a niche sport such as archery is not a break with tradition – but rather an evolution. Projects like Titan Sports build on familiar collecting mechanics and expand them with technological elements. Through NFC technology, a „digital twin“ of the physical card is created, offering additional content, interaction and new layers of experience. During our research into special gift ideas in December, we first came across the cards via social media. The combination of high-quality design, technological extension and a clear focus on the athletes quickly caught our attention – and ultimately led to the conversation with Vanessa and Brody.
A Gap in the System
Titan Sports did not emerge from a business plan. The starting point was a simple, recurring observation: archery produces world-class athletes – yet for the public, their
stories often end with the final arrow of a competition.
Vanessa puts this thought very directly in the interview. The motivation was never to simply create another product, but to build something that genuinely benefits the sport. Archery has very few formats in which athletes become visible beyond results alone. That was exactly where she saw a gap.
When she lost her job in the tech sector at the beginning of 2025, the nature of this idea
changed. What had been a concept became a concrete project. „I put all my energy into it and looked at what was possible,“ she says in retrospect. Time, experience and professional skills suddenly flowed entirely into a project that until then had been more theoretical.
The first concrete idea came from Matt, a friend who later joined the team and who works intensively with NFC technology. It quickly became clear that this was not meant to be a gimmick. If collectible cards were to be created for archery, they had to meet high standards: officially licensed, high-quality production and clearly rooted in the sport. For Vanessa, it was important from the outset that this would not be a project imposed from outside, but one developed from within archery itself.
The Team Behind Titan Sports
The Titan Sports team consists of five people spread across several locations in North and Central America. Vanessa works from Canada, Brody is based in Los Angeles, and the other team members – Abdul, Mike and Matt – are also located in different places. „None of us is earning money from this at the moment. We all have other jobs,“ Vanessa says openly. The first series was financed entirely from personal savings, which adds both pressure and motivation.
Brody, Creative Director and Lead Designer, is new to archery. „Vanessa showed me videos and explained how the sport works – and also how little money many athletes make,“ he recalls. It quickly became clear to him that he wanted to contribute his design experience. He is responsible for the card design, production coordination and large parts of the visual execution.
Vanessa describes the team dynamic as intense but flexible: despite the geographical distance, they work closely together, often via video calls and shared documents. For certain milestones, Vanessa also travels in person – for example to Los Angeles, to work directly with Brody on layouts and production issues. „Sometimes it’s these short but very focused meetings that really move us forward,“ she says.
The other three team members also play crucial roles: Abdul is responsible for the software, Mike increasingly handles project management, and Matt oversees sales and manufacturing. Together they form a team that does not work on a full-time basis, but pursues the Titan Sports vision with great commitment.

Who is Vanessa Lee?
Vanessa Lee is a Canadian archer and a well-known voice in the international archery scene. She represented Canada at World Championships in 2011 and 2013, among other events. After her more active competitive years, she moved into communication and media work, primarily for World Archery – where she appears as a commentator, reporter and content creator at international tournaments and is familiar to many fans through social media.
Vanessa’s background as an athlete and her long-standing closeness to the scene shape her perspective on the sport: she combines technical expertise with a storytelling approach that makes archery accessible to a broader audience – exactly the perspective that also informs her work at Titan Sports.
From Idea to Licence
In April 2025, the first physical prototype of a Titan Sports card was created. „It really was just a single card, not intended for sale. I wanted to see how the idea would be received,“ Vanessa explains. She took the prototype with her to the World Cup stage in Central Florida, where she showed it to athletes, photographers and officials – an initial test of her concept. „The reactions were curious but positive. I immediately knew it could work,“ she says.
It quickly became clear, however, that without an official licence the project would not be viable. Image rights, brand rights and the use of competition photographs made a legal foundation essential. Vanessa describes this phase as a steep learning curve: „I had zero experience with licensing law, image usage or international shipping processes. Everything was new territory.“ Conversations with photographer Dean Alberga and World Archery followed, along with intensive coordination, emalls and phone calls – a challenge that stretched over weeks.
In the end, the official licence agreement was secured. „That was a decisive moment. Suddenly we could really present Titan Sports publicly and appear credible to the athletes, Vanessa explains. The licence was not just a bureaucratic step, but also a validation of the idea and the team’s work.
In September 2025, pre-orders for the first series finally launched. Within a few weeks, a large part of the print run had sold out – a tangible success after months of hard work and numerous hurdles. „It was an incredible feeling to see that people genuinely wanted the product,“ Vanessa says.

Design and Details
The design of the Titan Sports cards follows a carefully considered concept: every card in
a series has the same layout to ensure comparability and a strong collector’s character. Differences arise through colour schemes, fine graphic elements and the selection of photographs.
Particularly striking is the integration of national colours. „The flag always frames the archer – that was clear to us from the start,“ Vanessa explains. It is meant to make the athletes‘ origins visible without dominating the overall aesthetic. Brody adds: „We wanted the colours to flow in subtly – in lines, frames and small accents, not as something overly bold.“
The backs of the cards are also thoughtfully designed: each one shows a photo of the athlete from behind, as a deliberate counterpoint to the classic portrait view. „I didn’t want everything to always be from the same perspective,“ Brody says. This decision gives the cards a sense of dynamism and creates surprising details when collecting.
The cards themselves are produced to a high standard. Vanessa highlights how positively many buyers reacted to the material thickness: „A lot of people were surprised by how sturdy and premium the cards feel.“ In addition, subtle background motifs reflect the athletes‘ places of origin – always understated, but with a recognisable connection to their home.
For Vanessa and Brody, the design is not merely an aesthetic project, but an expression of their passion for archery. „We wanted to create something that truly does justice to the athletes and gives something back to them.“ Pride and commitment can be felt in every detail – from the photo selection and colour choices to the graphic accents and the tactile quality of the cards.
Digital Extension via NFC
Every Titan Sports card contains an NFC chip. NFC, short for “Near Field Communication,” is a technology that enables a wireless connection between the card and a smartphone – simply by placing the phone close to it. This creates a “digital twin” of the physical card: information about the athletes, their statistics, competitions and exclusive content become instantly accessible. Vanessa explains: “You scan the card and the digital layer opens immediately. It’s as if the card comes to life.”For Brody, one thing is clear: “It’s not about using technology for its own sake. We want to extend the physical card, make it interactive and allow people to experience the sport in a new way.” The NFC function connects the analogue collectible card with the digital world – a blend that appeals to collectors and sports fans alike.
In the long term, NFC is intended to go beyond pure information: interactions at events, on-site activations or special online experiences are all conceivable. “We don’t want topromise anything we can’t deliver,” Vanessa emphasises. “But seeing what is possible – that really makes us proud.”
The technology thus opens up entirely new ways to make athletes visible, engage fans directly and turn collectible cards into more than just pieces of paper. Each card becomes a starting point for digital experiences that link the physical and virtual worlds – a true unique selling point of Titan Sports.

Selection of Athletes
For the first series, Titan Sports deliberately chose internationally successful athletes, including Brady Ellison, Lim Si-hyeon, Deepika Kumari and Ella Gibson – the elite of our sport. „We wanted to show the level we are aiming for, both athletically and in terms of design,“ Vanessa says.
Most of the cards were handed to the athletes personally. Vanessa travelled specifically to competitions and World Cups to present them. „The reactions were incredible. Some were genuinely overwhelmed. A few said they never thought they would ever be on a trading card,“ she recounts.
From the very beginning, it was clear that a portion of the proceeds would go directly to the athletes. „We couldn’t do this and keep everything for ourselves. The project was meant to be for archery from the outset,“ Vanessa says.
The team invests considerable time and personal funds into the project, without any short- term financial gain. The focus is on visibility for the athletes and for archery itself – a level of commitment that is far from commonplace in today’s sports landscape.
Info:
Challenges, Opportunities & Economic Reality
Despite the positive response, Titan Sports remains a project with clear limitations. The first series was financed entirely from personal savings, without external investors. „None of us is earning money from this at the moment. We all have other jobs,“ Vanessa says. For her, the ideological value of the project clearly outweighs any financial considerations: working on Titan Sports allows her to combine skills from the tech sector with her experience in archery, while at the same time doing something meaningful for the athletes.
Next Steps and Visions
Series 2 is already in preparation. When asked whether para-athletes or younger archers will be included, Vanessa responds clearly: „Yes, we want to represent the sport more broadly – both junior athletes and para-athletes should be part of the series.“ Historical figures in archery are also a potential topic, to make the sport’s history and development more visible.
Beyond that, the team is thinking about possible new elements that could further strengthen the collecting and interaction aspects. Vanessa describes the vision: „You could imagine fans assembling their own bow – with risers, limbs and accessories, similar to their role models.“ Trading features, digital twins of the cards and gamification elements are also being considered as ideas to enable interactive experiences or on-site events. These are future perspectives – directions the project could take – not features that have already been fully implemented.
One concrete goal is a planned event in Las Vegas, where such ideas are to be tested and presented on a larger scale for the first time. Vanessa emphasises: „We don’t just want to showcase the athletes, but also convey the excitement for the sport itself and the technology behind it.“
The team is also considering similar projects in other sports that currently receive little media attention. When and how such concepts might be realised remains open – what matters most to Vanessa and Brody is that every implementation remains authentic and offers genuine added value for both athletes and fans.
Overall:
Titan Sports is neither a classic merchandising project nor a complete solution to the structural challenges facing archery. It is an additional building block – initiated by people from within the sport itself, with a clear focus on design, visibility and appreciation of the athletes.
The team brings fresh ideas to archery without losing sight of its roots. The combination of physical collectible cards, digital extensions and a strong athlete-centred approach shows how innovation can work when it grows out of the sport itself. The series, designs and technological concepts highlight the potential of a project built on expertise, passion and a deep understanding of archery.
At the same time, the cards carry a special collector’s value: as the first trading cards of their kind in archery, they mark the beginning of a development that makes it exciting to be involved from the very start. Ultimately, one impression remains above all – that initiatives like this give niche sports a platform and open up new ways to make sport visible and tangible.
And What Do You Think?
Have do you eaty oren he or making tracing arde more as e enouge el sctie
In europe in the tear s curenty in iscussions about making the cards more accessible And we’re especially interested in your opinion: which athletes would you like to see on a card? Send us your thoughts and ideas at social@bogensport-magazin.de – we look
forward to hearing from you.
(Fotos: Vanessa Lee)
Titan Sports: Digital, analog, sichtbar: – Wie Trading Cards den Bogensport neu erzählen
Von Anna Lena Gangluff
Leseprobe aus dem BOGENSPORT MAGAZIN 1/2026
Der internationale Bogensport bringt seit Jahren herausragende Athletinnen und Athleten hervor – olympische Medaillen, Weltrekorde und jahrzehntelange Karrieren inklusive. Sichtbarkeit und nachhaltige Vermarktung bleiben dennoch begrenzt. Mit Titan Sports ist 2025 ein Projekt entstanden, das genau hier ansetzt: hochwertige Trading Cards, digitale Erweiterungen und ein klarer Fokus auf die Athleten selbst. Im Gespräch mit Redaktionsassistentin Ferah Noor und Autorin Anna Lena Gangluff erklären Vanessa und Brody von Titan Sports, wie aus einer Idee ein lizenziertes Produkt wurde – ein Gespräch über Design, Idealismus und die Realität eines jungen Projekts.
Info:
Tradition trifft Technologie: Sammelkartenkultur in Deutschland
Sammelkarten und Sticker haben in Deutschland seit Jahrzehnten einen festen Platz in der Pop- und Sportkultur. Spätestens mit den Panini-Alben zu Fußball-Welt- und Europameisterschaften gehört das Tauschen, Sammeln und Vervollständigen für viele Generationen zur Kindheit – und längst nicht mehr nur für Kinder. Auch Erwachsene investieren Zeit und Geld in vollständige Alben, Sondereditionen oder limitierte Kartenserien.
Parallel dazu hat sich in den vergangenen Jahren eine starke Sammelkartenkultur rund um Trading Card Games wie Pokémon etabliert. Pokémon-Karten gehören heute zu den meistgesammelten Karten weltweit und erzielen – je nach Zustand und Seltenheit – teils hohe Marktwerte. Das wachsende Interesse zeigt sich nicht nur im Handel, sondern auch medial: Sammelkarten werden zunehmend als Kulturgut, Sammlerobjekt oder sogar als langfristige Wertanlage diskutiert.
Vor diesem Hintergrund ist die Idee, Sammelkarten in einer Nischensportart wie dem Bogensport neu zu denken, kein Bruch mit der Tradition – sondern eine Weiterentwicklung. Projekte wie Titan Sports greifen bekannte Sammelmechaniken auf und erweitern sie um technologische Elemente. Durch NFC-Technologie entsteht ein „digitaler Zwilling“ der physischen Karte, der zusätzliche Inhalte, Interaktion und neue Erlebnisebenen ermöglicht.
Im Rahmen unserer Recherche zu besonderen Geschenkideen im Dezember stießen wir über soziale Netzwerke erstmals auf die Karten. Die Kombination aus hochwertigem Design, technischer Erweiterung und klarem Fokus auf die Athleten weckte schnell unser Interesse – und führte schließlich zu dem Gespräch mit Vanessa und Brody.
Eine Lücke im System
Titan Sports ist nicht aus einem Businessplan entstanden. Der Ausgangspunkt war eine einfache, wiederkehrende Beobachtung: Der Bogensport bringt Weltklasse-Athletinnen und -Athleten hervor – doch ihre Geschichten enden für die Öffentlichkeit oft mit dem letzten Pfeil eines Wettkampfs.
Vanessa bringt diesen Gedanken im Interview sehr direkt auf den Punkt. Der Antrieb sei nie gewesen, einfach ein weiteres Produkt zu entwickeln, sondern etwas zu schaffen, das dem Sport tatsächlich nützt. Der Bogensport habe kaum Formate, in denen Athlet:innen auch abseits von Ergebnissen sichtbar werden. Genau dort habe sie eine Lücke gesehen.
Als sie Anfang 2025 ihren Job im Tech-Bereich verlor, änderte sich der Charakter dieser Überlegung. Aus einer Idee wurde ein konkretes Vorhaben. „Ich habe meine ganze Energie da reingesteckt und geschaut, was möglich ist“, sagt sie rückblickend. Zeit, Erfahrung und berufliche Fähigkeiten flossen plötzlich vollständig in ein Projekt, das bis dahin eher theoretisch gewesen war.
Die erste konkrete Idee kam von Matt, einem Freund aus dem späteren Team, der sich intensiv mit NFC-Technologie beschäftigt. Schnell war klar, dass es nicht um irgendeine Spielerei gehen sollte. Wenn man Sammelkarten im Bogensport umsetzt, dann mit Anspruch: offiziell lizenziert, hochwertig produziert und klar im Sport verankert. Für Vanessa stand früh fest, dass es kein Projekt „von außen“ werden durfte, sondern eines, das aus dem Bogensport selbst heraus gedacht ist.
Das Team hinter Titan Sports
Das Team von Titan Sports besteht aus fünf Personen, verteilt über mehrere Standorte in Nord- und Zentralamerika. Vanessa arbeitet von Kanada aus, Brody ist in Los Angeles, und die weiteren Teammitglieder – Abdul, Mike und Matt – sitzen ebenfalls an unterschiedlichen Orten. „Keiner von uns verdient aktuell Geld damit. Wir haben alle andere Jobs“, sagt Vanessa offen. Die Finanzierung der ersten Serie erfolgte vollständig über Ersparnisse, was den Druck, aber auch die Motivation spürbar macht.
Brody, Creative Director und Lead Designer, ist neu im Bogensport. „Vanessa hat mir Videos gezeigt und erklärt, wie der Sport funktioniert – und auch, wie wenig Geld viele Athleten damit verdienen“, erzählt er. Schnell wurde für ihn klar, dass er seine gestalterische Erfahrung einbringen wollte. Er verantwortet das Design der Karten, die Produktionsabstimmung und große Teile der visuellen Umsetzung.
Vanessa beschreibt die Teamdynamik als intensiv, aber flexibel: Trotz der geografischen Distanz arbeite man eng zusammen, oft über Videocalls und geteilte Dokumente. Für bestimmte Meilensteine reist Vanessa auch selbst – etwa nach Los Angeles, um mit Brody direkt an Layouts und Produktionsfragen zu arbeiten. „Manchmal sind es diese kurzen, aber sehr konzentrierten Treffen, die uns wirklich voranbringen“, sagt sie.
Die anderen drei Teammitglieder tragen ebenfalls entscheidend bei: Abdul kümmert sich um die Software, Mike übernimmt zunehmend das Projektmanagement, und Matt ist für Vertrieb und Fertigung zuständig. Gemeinsam bilden sie ein Team, das nicht auf Vollzeitbasis arbeitet, aber die Vision von Titan Sports mit viel Engagement verfolgt.

Wer ist Vanessa Lee?
Vanessa Lee ist eine kanadische Bogenschützin und bekannte Stimme der internationalen Bogenszene. Sie vertrat Kanada unter anderem 2011 und 2013 bei Weltmeisterschaften. Nach ihrer aktiveren Zeit als Schützin wechselte sie in die Kommunikation und Medienarbeit, vor allem für World Archery – dort ist sie als Kommentatorin, Reporterin und Content‑Creator auf internationalen Turnieren präsent und vielen Fans über Social‑Media‑Kanäle bekannt.
Vanessas Hintergrund als Athletin und ihre langjährige Nähe zur Szene prägen ihren Blick auf den Sport: Sie verbindet technische Detailkenntnis mit einer Erzählweise, die den Bogensport für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar macht – genau diese Perspektive fließt auch in ihre Arbeit bei Titan Sports ein.
Von der Idee zur Lizenz
Im April 2025 entstand der erste physische Prototyp einer Titan-Sports-Karte. „Es war wirklich nur eine Einzelkarte, nicht für den Verkauf gedacht. Ich wollte sehen, wie die Idee ankommt“, erzählt Vanessa. Den Prototyp nahm sie mit zur World-Cup-Station in Central Florida. Dort zeigte sie ihn Athleten, Fotografen und Verantwortlichen – ein erster Test für ihr Konzept. „Die Reaktionen waren neugierig, aber positiv. Ich wusste sofort, dass das funktionieren könnte“, sagt sie.
Doch schnell wurde klar: Ohne offizielle Lizenz wäre das Projekt nicht umsetzbar. Bildrechte, Markenrechte und die Nutzung von Wettkampffotos machten eine rechtliche Grundlage zwingend erforderlich. Vanessa beschreibt die Phase als steile Lernkurve: „Ich hatte null Erfahrung mit Lizenzrecht, Bildnutzung oder internationalen Versandprozessen. Alles war Neuland.“ Gespräche mit Fotograf Dean Alberga und World Archery folgten, intensive Abstimmungen, E-Mails, Telefonate – eine Herausforderung, die sich über Wochen zog.
Am Ende stand der offizielle Lizenzvertrag. „Das war ein entscheidender Moment. Plötzlich konnten wir Titan Sports wirklich öffentlich zeigen und den Athleten gegenüber glaubwürdig auftreten“, erklärt Vanessa. Die Lizenz war nicht nur ein bürokratischer Schritt, sondern auch eine Bestätigung für die Idee und die Arbeit des Teams.
Im September 2025 startete schließlich der Vorverkauf der ersten Serie. Binnen weniger Wochen war ein Großteil der Auflage verkauft – ein greifbarer Erfolg nach Monaten harter Arbeit und vieler Hürden. „Es war ein unglaubliches Gefühl zu sehen, dass die Leute das Produkt wirklich wollten“, sagt Vanessa.

Gestaltung und Details
Das Design der Titan-Sports-Karten folgt einem durchdachten Konzept: Jede Karte einer Serie hat denselben Aufbau, um Vergleichbarkeit und Sammlercharakter zu gewährleisten. Unterschiede entstehen durch Farben, feine grafische Elemente und die Auswahl der Fotos.
Besonders markant ist die Einbindung der Nationalfarben: „Die Flagge umrahmt den Schützen immer, das war uns sofort klar“, erklärt Vanessa. Sie soll die Herkunft der Athlet:innen sichtbar machen, ohne die Gesamtästhetik zu dominieren. Brody ergänzt: „Wir wollten, dass die Farben subtil einfließen – in Linien, Rahmen und kleinen Akzenten, nicht als plakatives Element.“
Auch die Rückseiten der Karten sind durchdacht: Jede zeigt ein Foto der Athlet:innen von hinten, als bewusste Ergänzung zur klassischen Porträtansicht. „Ich wollte nicht, dass alles immer aus der gleichen Perspektive ist“, sagt Brody. Diese Entscheidung verleiht den Karten Dynamik und sorgt für überraschende Details beim Sammeln.
Die Karten selbst sind hochwertig produziert. Vanessa hebt hervor, wie positiv viele Käufer auf die Materialstärke reagiert haben: „Viele waren überrascht, wie stabil und wertig die Karten sind.“ Darüber hinaus spiegeln subtile Hintergrundmotive die Herkunftsorte der Athlet:innen wider – stets zurückhaltend, aber mit erkennbarer Verbindung zu ihrer Heimat.
Für Vanessa und Brody ist die Gestaltung nicht nur ein ästhetisches Projekt, sondern Ausdruck ihrer Begeisterung für den Bogensport: „Wir wollten etwas schaffen, das den Athlet:innen wirklich gerecht wird und ihnen etwas zurückgibt.“ Stolz und Engagement sind in jedem Detail spürbar – von der Auswahl der Fotos über Farbwahl und grafische Akzente bis hin zur Haptik der Karten.
Digitale Erweiterung per NFC
Jede Titan-Sports-Karte enthält einen NFC-Chip. NFC, kurz für „Near Field Communication“, ist eine Technologie, die eine drahtlose Verbindung zwischen Karte und Smartphone ermöglicht – einfach durch kurzes Auflegen. So entsteht ein „digitaler Zwilling“ der physischen Karte: Informationen zu den Athlet:innen, ihre Statistiken, Wettkämpfe und exklusive Inhalte werden direkt zugänglich. Vanessa erklärt: „Man scannt die Karte, und sofort öffnet sich die digitale Ebene. Es ist, als würde die Karte zum Leben erwachen.“
Für Brody ist klar: „Es geht nicht darum, Technik um der Technik willen zu nutzen. Wir wollen die physische Karte erweitern, sie interaktiv machen und den Sport auf neue Weise erlebbar.“ Die NFC-Funktion verbindet die analoge Sammelkarte mit der digitalen Welt – ein Mix, der sowohl Sammler:innen als auch Sportfans begeistert.
Langfristig soll NFC über reine Infos hinausgehen: Interaktionen auf Events, Aktionen vor Ort oder spezielle Online-Erlebnisse sind denkbar. „Wir wollen nichts versprechen, was wir nicht halten können“, betont Vanessa. „Aber zu sehen, was alles möglich ist – das macht uns richtig stolz.“
Die Technologie eröffnet also völlig neue Wege, Sportler:innen sichtbar zu machen, die Fans direkt einzubinden und die Sammelkarten zu mehr als nur einem Stück Papier zu machen. Jede Karte wird so zum Startpunkt für digitale Erlebnisse, die physisch und virtuell verknüpft sind – ein echtes Alleinstellungsmerkmal von Titan Sports.

Auswahl der Athleten
Für die erste Serie wählte Titan Sports bewusst international erfolgreiche Athleten aus, darunter Brady Ellison, Lim Si-hyeon, Deepika Kumari und Ella Gibson – die Spitzenklasse unseres Sports. „Wir wollten zeigen, welches Niveau wir sportlich wie gestalterisch anstreben“, sagt Vanessa.
Die Karten wurden den meisten Athleten persönlich überreicht. Vanessa reiste dafür extra zu Wettkämpfen und World Cups, um die Karten zu übergeben. „Die Reaktionen waren unglaublich. Einige waren wirklich überwältigt. Manche haben gesagt, sie hätten nie gedacht, einmal auf einer Sammelkarte zu sein“, erzählt sie.
Von Anfang an war klar, dass ein Teil der Einnahmen direkt an die Athleten gehen sollte. „Wir konnten das nicht machen und alles für uns behalten. Das Projekt sollte von Anfang an für den Bogensport sein“, sagt Vanessa.
Das Team investiert erhebliche Zeit und Eigenmittel in das Projekt, ohne kurzfristige finanzielle Vorteile zu erzielen. Dabei steht die Sichtbarkeit der Athleten und des Bogensports im Vordergrund – ein Engagement, das in der aktuellen Sportlandschaft nicht selbstverständlich ist.
Info:
Herausforderung, Chancen & Wirtschaftliche Realität
Trotz der positiven Resonanz bleibt Titan Sports ein Projekt mit klaren Grenzen. Die erste Serie wurde vollständig über Ersparnisse finanziert, ohne externe Investoren. „Keiner von uns verdient aktuell Geld damit. Wir haben alle andere Jobs“, sagt Vanessa. Für sie überwiegt der ideelle Wert des Projekts deutlich: Die Arbeit an Titan Sports erlaubt es ihr, Fähigkeiten aus dem Tech-Bereich mit ihrer Erfahrung im Bogensport zu verbinden und gleichzeitig etwas für die Sportler zu bewegen.
Nächste Schritte und Visionen
Series 2 ist bereits in Vorbereitung. Auf unsere Frage, ob auch Para-Athleten oder jüngere Schützlinge berücksichtigt werden, antwortet Vanessa klar: „Ja, wir möchten den Sport breiter abbilden – sowohl Nachwuchssportler als auch Para-Athleten sollen Teil der Serie sein.“ Auch historische Persönlichkeiten des Bogensports sind perspektivisch ein Thema, um die Geschichte und Entwicklung des Sports sichtbar zu machen.
Darüber hinaus denkt das Team über mögliche neue Elemente nach, die den Sammel- und Interaktionscharakter weiter stärken könnten. Vanessa beschreibt die Vision: „Man könnte sich vorstellen, dass Fans sich ihren eigenen Bogen zusammenstellen – mit Mittelteilen, Wurfarmen und Zubehör, ähnlich wie bei ihrem Vorbild.“ Auch Tauschmöglichkeiten, digitale Zwillinge der Karten und Gamification-Elemente stehen als Ideen im Raum, um interaktive Erlebnisse oder Events vor Ort zu ermöglichen. Es handelt sich hierbei jedoch um Zukunftsperspektiven, also Richtungen, in die das Projekt gehen könnte, nicht um bereits fest umgesetzte Funktionen.
Ein konkretes Ziel ist das geplante Event in Las Vegas, bei dem solche Ideen erstmals ausprobiert und in größerem Rahmen vorgestellt werden sollen. Vanessa betont: „Wir wollen nicht nur die Sportler zeigen, sondern auch die Begeisterung für den Sport selbst und die Technik dahinter vermitteln.“
Darüber hinaus denkt das Team über ähnliche Projekte in anderen Sportarten nach, die bislang wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten. Wann und wie solche Konzepte umgesetzt werden, ist noch offen – wichtig ist Vanessa und Brody, dass jede Umsetzung authentisch bleibt und den Sportlern sowie den Fans echten Mehrwert bietet.
Overall:
Titan Sports ist kein klassisches Merchandising-Projekt und auch keine vollständige Lösung für die strukturellen Herausforderungen im Bogensport. Es ist ein zusätzlicher Baustein – initiiert von Menschen aus dem Sport selbst, mit einem klaren Fokus auf Gestaltung, Sichtbarkeit und Wertschätzung der Athleten.
Das Team bringt frische Ideen in den Bogensport, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Die Verbindung aus physischer Sammelkarte, digitaler Erweiterung und einem klaren Fokus auf die Athleten zeigt, wie Innovation wirken kann, wenn sie aus dem Sport selbst heraus entsteht. Serien, Design und technologische Ansätze verdeutlichen das Potenzial eines Projekts, das auf Expertise, Leidenschaft und einem tiefen Verständnis für den Bogensport basiert.
Gleichzeitig besitzen die Karten einen besonderen Sammlerwert: Als erste Trading Cards ihrer Art im Bogensport markieren sie den Beginn einer Entwicklung, die es spannend macht, von Anfang an dabei zu sein. Am Ende bleibt vor allem ein Eindruck – dass genau solche Initiativen Randsportarten eine Bühne geben und neue Wege eröffnen, Sport sichtbar und erlebbar zu machen.
Und was denkst du?
Hast du die Titan-Sports-Sammelkarten schon gesehen oder vielleicht sogar schon bestellt? Was hältst du von der Idee, Athleten im Bogensport über Sammelkarten sichtbar zu machen?
Das Team von Titan Sports steht im Austausch, um die Karten perspektivisch auch im europäischen Raum zugänglicher zu machen.
Und uns interessiert besonders: Welche Athleten würdest du gern einmal auf einer Karte sehen? Schreib uns deine Gedanken und Ideen an social@bogensport-magazin.de – wir freuen uns auf den Austausch.
(Fotos: Vanessa Lee)
Deutsche Übersetzung: 5 Fragen an Elia Canales Martín
Elia Canales gehört aktuell zu den spannendsten Namen im internationalen Bogensport. In der deutschen Bundesliga schießt die Spanierin erstmals für die SGi Welzheim – und überzeugt dort ebenso wie auf der internationalen Bühne. Im Gespräch spricht sie über ihre Motivation, die besonderen Anforderungen der Bundesliga und den Rückenwind aus einer außergewöhnlich erfolgreichen Saison.
BSM: Elia, in dieser Saison schießt du erstmals in der deutschen Bundesliga für die SGi Welzheim. Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen und was hat dich sportlich gereizt, diese Herausforderung anzunehmen?
Diese Möglichkeit hat sich ganz natürlich aus Gesprächen mit dem Verein ergeben. Ich hatte bereits viel über die Bundesliga und ihr besonderes Teamformat gehört, und als die SGi Welzheim auf mich zukam, hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Moment für eine neue Herausforderung ist. Besonders gereizt hat mich die Chance, in einem Ligasystem zu schießen, das sich stark von dem unterscheidet, was wir in Spanien haben, und Teil eines starken, ambitionierten Teams zu sein. Für mich ist das eine tolle Gelegenheit, mich sowohl sportlich als auch als Teammitglied weiterzuentwickeln.
BSM: Du lebst und trainierst in Spanien, reist für die Bundesliga aber regelmäßig nach Deutschland. Wie sieht ein typischer Bundesliga-Spieltag für dich aus – und wie herausfordernd ist es, Reisen, Training und Wettkampf auf diesem Niveau körperlich und mental zu verbinden?
Ein typischer Spieltag ist sehr fokussiert und gut strukturiert. In der Regel reise ich kurz vor dem Wettkampf nach Deutschland und achte darauf, genug Zeit zu haben, um anzukommen, mich zu erholen und in den Wettkampfmodus zu kommen. Die Kombination aus Reisen, Training und Wettkampf ist körperlich und mental definitiv anspruchsvoll, aber das kenne ich aus dem internationalen Bereich. Gute Planung, Regeneration und mentale Präsenz sind dabei entscheidend. Sobald der Wettkampf beginnt, liegt der volle Fokus auf dem Team und der Leistung in diesem Moment.
BSM: Ein Liga-Format wie die Bundesliga gibt es in Spanien nicht. Was reizt dich an diesem Wettkampfsystem besonders und worin unterscheidet es sich für dich von anderen Formaten?
Am meisten begeistert mich das teamorientierte Ligasystem und die besondere Atmosphäre, die dadurch entsteht. Jeder Pfeil zählt für das Teamergebnis, was einen ganz eigenen Druck, aber auch zusätzliche Motivation erzeugt. Im Vergleich zu vielen anderen Wettkämpfen, die ich schieße und die meist individuell oder als kurze Teamformate ausgetragen werden, hat die Bundesliga eine Saisonstruktur und eine sehr intensive Match-Dynamik. Es fühlt sich fast wie ein klassischer Head-to-Head-Sport an – das macht es extrem spannend.
BSM: Mit einem Pfeildurchschnitt von 9,83 liegst du aktuell auf Rang zwei der Südstaffel – gemeinsam mit Felix Wieser. Nach dem dritten Spieltag hat neben Tacherting nur Welzheim bereits das Finalticket gelöst. Worauf freust du dich beim Bundesliga-Finale in Wiesbaden am meisten – und traust du deinem Team den Titel zu?
Ich freue mich sehr darauf, die besondere Atmosphäre beim Finale in Wiesbaden zu erleben und gemeinsam mit meinem Team unter diesem Druck zu schießen. Dass sich mit Tacherting und Welzheim zwei Teams frühzeitig für das Finale qualifiziert haben, zeigt, auf welchem Niveau wir in dieser Saison unterwegs sind. Ich bin überzeugt, dass wir ein sehr starkes und ausgeglichenes Team haben. Wenn wir fokussiert bleiben und unser Leistungsniveau abrufen, haben wir definitiv das Potenzial, um den Titel mitzukämpfen.
BSM: WM-Gold im Mixed-Team in Gwangju, Gold bei den GT Open in Luxemburg und Platz fünf in Nîmes – eine beeindruckende Serie an Ergebnissen! Was hat aus deiner Sicht zu diesem Erfolg beigetragen und wohin soll deine Reise in dieser Saison und darüber hinaus gehen?
Ich glaube, diese Ergebnisse sind vor allem das Resultat kontinuierlicher Arbeit über einen längeren Zeitraum und nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. Körperlich fühle ich mich sehr stabil, aber vor allem mental habe ich einen großen Schritt nach vorn gemacht. Ich konzentriere mich stärker auf den Prozess und die Ausführung, statt auf das Ergebnis, was mir hilft, unter Druck ruhig und präsent zu bleiben. Ein stabiles Trainingsumfeld und ein starkes Team spielen dabei ebenfalls eine große Rolle. Für den weiteren Verlauf der Saison ist mein Ziel, diese Konstanz weiter auszubauen, aus jedem Wettkampf zu lernen und den Prozess zu genießen. Ich blicke motiviert und zuversichtlich nach vorne – gleichzeitig aber bodenständig und Schritt für Schritt.
Liebe Elia, vielen Dank für diesen Einblick und viel Erfolg bei deinen nächsten Wettkämpfen!
Foto: World Archery
5 Questions with Elia Canales MartínElia Canales is one of the most exciting names in international archery right now. Competing in the German Bundesliga for the first time with SGi Welzheim, the Spanish archer is making a strong impression in league competition and on the world stage. In this interview, she talks about her motivation, the unique demands of the Bundesliga, and the momentum gained from a remarkable run of results.
BSM: Elia, this season you are competing in the German Bundesliga for the first time with SGi Welzheim. How did this opportunity come about and what motivated you to take this challenge on?
This opportunity came about quite naturally through conversations with the club. I had heard a lot about the Bundesliga and its unique team-based format, and when SGi Welzheim approached me, I felt it was the right moment to take on a new challenge. What really motivated me was the chance to compete in a league environment that is very different from what we have in Spain, and to be part of a strong, ambitious team. It felt like a great opportunity to grow both as an athlete and as a teammate.
BSM: You live and train in Spain but regularly travel to Germany for the Bundesliga. What does a typical match day look like for you and how challenging is it to balance travel, training and competition at this level – both physically and mentally?
On a typical match day, everything is very focused and well structured. I usually travel to Germany shortly before the competition, making sure I arrive with enough time to adapt, rest and get into competition mode. Balancing travel, training and competition is definitely demanding, both physically and mentally, but it is something I’m used to at an international level. Good planning, recovery and staying mentally present are key for me. Once the competition starts, the focus shifts completely to the team and the performance on the line.
BSM: There is no league format like the Bundesliga in Spain. What excites you most about this competition system and how does it differ from other formats you usually compete in?
What excites me most about the Bundesliga is the team-based league system and the atmosphere it creates. Every arrow really matters for the team result, and that brings a special kind of pressure and motivation. Unlike many other competitions I usually shoot, which are mainly individual or short-format team events, the Bundesliga has a season-long structure and a very intense match dynamic. It feels more like a “head-to-head” sport, which makes it extremely engaging and exciting to shoot.
BSM: With an arrow average of 9.83, you are currently ranked second amongst the South German teams – tied with Felix Wieser. After the third match day, only Tacherting and Welzheim have already secured a spot in the finals. So, what are you most looking forward to at the Bundesliga final in Wiesbaden – and do you think your team has what it takes to win the title?
I’m really looking forward to experiencing the finals atmosphere in Wiesbaden and competing under that kind of pressure with my team. The fact that both Tacherting and Welzheim have already secured a spot in the finals shows the level we’ve been performing at this season. I truly believe we have a very strong and balanced team, and if we stay focused and shoot at our level, we definitely have what it takes to fight for the title.
BSM: Gold in the mixed team at the World Championships in Gwangju, gold at the GT Open in Luxembourg, and fifth place in Nîmes – this is a pretty strong streak of results! What do you feel has contributed to this success and how do you see your journey shaping up for the rest of the season and the road ahead?
I think this run of results is the outcome of a lot of consistent work over time rather than one single factor. Physically, I feel very solid, but even more importantly, I’ve made a big step forward mentally in how I approach competitions. I’m focusing more on process and execution instead of results, which allows me to stay calm and present under pressure. Having a stable training environment and a great support team around me has also played a huge role. Looking ahead to the rest of the season, my goal is to keep building on this consistency, keep learning from every competition and continue enjoying the process. I feel motivated and confident about the road ahead, but also very grounded and focused on taking things step by step.
Elia, thank you so much for your answers and best of luck for your upcoming competitions!
Photo: World Archery
5 Fragen an Michelle KroppenAnfang November jubelte Michelle Kroppen in Eindhoven, es folgte ein starker 9. Platz bei den GT Open in Strassen – und jetzt stellt sie sich unseren 5 Fragen. Über Finals mit Gänsehaut, mentale Klarheit unter Druck, Teamverantwortung in der Bundesliga und den Blick Richtung Außensaison.
BSM: Liebe Michelle, herzlichen Glückwunsch zum Sieg bei den JVD Open! Hunderte Schützen, volle Ränge und eine unglaubliche Stimmung – das Event war mal wieder ein echtes Spektakel! Wie hast du die Atmosphäre im Finale erlebt? Kennst du vergleichbare Events, bei denen eine solche Stimmung herrscht? Und war es bei all dem Trubel schwieriger, dich voll auf deinen Schießablauf zu konzentrieren oder konntest du den Moment sogar genießen?
Michelle: Ich muss sagen, JVD Open ist ein ganz besonderes Event. Auch wenn es erst mein zweites Mal vor Ort war, möchte ich diesen Wettkampf nicht mehr missen. Ich kenne kaum einen Wettkampf wo sich Breitensportler und Profis so nah sein können. Und diese Atmosphäre merkt man absolut im Finale. Die Zuschauer haben richtig Lust, sich gutes Bogenschießen anzuschauen und von den Profis zu lernen. Das ist ein tolles Gefühl. Vergleichbar wäre, zumindest im Bereich Compound, das Shoot-Off beim Vegas Shoot. Ich konnte das Finale sehr genießen, man hat im vergleich zu World Archery Events 2 Minuten für seine 3 Pfeile anstatt nur 90 Sekunden und ich habe mir etwas mehr Zeit zwischen den Pfeilen genommen um mich neu zu fokussieren. Es hat einfach nur super viel Spaß gemacht!
BSM: Mit 300-297-300 in der Qualifikation warst du nahezu makellos unterwegs. Gibt eine solche Quali Selbstvertrauen für das Finale – oder beginnt der entscheidende Wettkampf für dich erst, wenn es wirklich im Finale um alles geht?
Michelle: Ich muss sagen, das erste Ziel welches ich mir gesetzt hatte, war es natürlich, die 900 Ringe zu schaffen. Als mir im 2. Durchgang dann ein Fehler unterlaufen ist und ich die 7 geschossen habe, war ich im ersten Moment natürlich enttäuscht, aber habe es als eine Art wachrütteln wahrgenommen und mir gesagt, dass ich mich ab sofort voll auf das Finale konzentrieren möchte und somit die restlichen Pfeile genutzt habe, ein gutes Selbstvertrauen aufzubauen. Natürlich ist das Finale am Ende der ausschlaggebende Moment, aber egal welchen Wettkampf ich schieße, eine solide Qualifikation gibt natürlich ein gutes Selbstvertrauen.
BSM: Während du in den Niederlanden auf dem Podium gefeiert hast, musste dein Bundesliga-Team den ersten Spieltag ohne dich bestreiten – und der Start in die Saison lief noch nicht wie erhofft. Aus deiner Erfahrung – ist ein Comeback vom Tabellenende noch realistisch, auch wenn alle Teams stark aufgestellt sind? Und mit Blick auf die nächsten Spieltage: Welche Rolle möchtest du dabei im Team übernehmen?
Michelle: Natürlich lief der erste Tag für Ebersberg nicht ganz wie erhofft. Aber ich weiß, dass auch wir es an guten Tagen schaffen können, viele Punkte zu sammeln. Ich will gar nicht davon sprechen, dass wir die Tabellenspitze wollen, aber wir werden in den nächsten 3 Spieltagen alles daran setzen, in die obere Tabellenhälfte zu kommen und uns fürs Finale zu qualifizieren. Meine Rolle dabei? Nun ja, ich würde behaupten in erster Linie 10er schießen😅 Ich denke ich habe sowohl in Eindhoven als auch in Strassen gute Ergebnisse erzielt, und wenn ich es schaffe die Leistung auch in der Liga abzurufen, kann ich hoffentlich einen großen Teil dazu beitragen, dass das Team Punkte holt
BSM: Du trainierst auf hohem Niveau, reist zu internationalen Wettkämpfen und bringst konstant starke Leistungen. Wie gelingt es dir, Motivation und Ausgleich zu finden? Gibt es Momente, in denen du bewusst einen Schritt zurücktrittst, um neue Energie zu tanken?Michelle: Ich denke die größte Motivation ist das Umfeld. Unsere Mannschaft, oder auch das Team, welches gemeinsam am Stützpunkt in Berlin zusammen trainiert, ist in den letzten Jahren echt zusammengewachsen. Und wenn das gemeinsame Training auch an harten Tagen trotzdem Spaß macht, und man gemeinsam da durch geht, ist es natürlich leichter. Dazu kommt noch, dass auch meine Partnerin Bogenschützin ist. Auch wenn sie im Ausland wohnt, ist das gemeinsame Hobby und der tagtägliche Austausch eine Motivation, gemeinsam Schritte nach vorne zu machen und gemeinsam Ziele zu erreichen. Vor allem in der Hallensaison reisen wir gemeinsam und bestreiten die Wettkämpfe zusammen. Und wenn man sich dann noch gegenseitig fördern, aber auch fordern kann, dann gibt das eine positive Energie.
Trotzdem muss auch ich auf meinen Körper hören, und ab und an einen Gang runterfahren. Aber das gibt neue Energie für die Wochen, die danach kommen.
BSM: Nach diesem starken Saisonauftakt: Welche Ziele setzt du dir für die Hallensaison – und inwiefern hast du dabei schon die Außensaison 2026 im Blick?
Michelle: Für die Hallensaison setze ich mir nie wirklich Ziele. Ich nutze diese Wettkämpfe vor allem dazu, auch in der Wintersaison meine Technik und meine mentalen Fähigkeiten unter Druck zu testen, damit ich keine lange Periode habe, in der ich keine Wettkämpfe schieße und um zu merken, welche Fehlerquellen eventuell unter Druck auftreten könnten, um dann im Training daran zu arbeiten. Das hilft mir meiner Meinung nach dabei, schon früh in der Freiluftsaison bereit für Wettkämpfe zu sein. Wenn dabei natürlich das ein oder andere Podium dabei ist, dann nehme ich das auch gerne mit, denn das gibt viel Selbstvertrauen. Ich werde noch bei den Berlin Open und in Nimes an den Start gehen, bevor der Fokus dann wieder zu 100% auf 70 Meter gelenkt wird.
BSM: Liebe Michelle, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Foto: Francesco Sterza
5 Fragen an Michael MeyerFrisch zurück von den World Games in Chengdu erzählt der deutsche Blankbogenschütze von seinem starken fünften Platz, besonderen Eindrücken, wichtigen Learnings – und auch darüber, wie seine Disziplin mehr Aufmerksamkeit bekommen könnte.
BSM: Lieber Michael, du bist bei den World Games mit dem Blankbogen Fünfter geworden und hast in der Quali sogar Rang vier belegt – wie ordnest du dieses Ergebnis für dich persönlich ein?
Michael: Mit dem Ergebnis bin ich zwiegespalten: Einerseits hätte ich mir eine bessere Platzierung gewünscht, andererseits kann ich, wenn ich sehe, wer Platz 1-4 belegt hat – allesamt Welt- oder Europameister beziehungsweise Profis – mit dem Ergebnis zufrieden sein.
BSM: Die World Games sind ein absolutes Highlight, gerade für die Disziplin Feld-bogen. Wie hast du dich auf dieses Event vorbereitet und wie sah dein Weg dorthin in den letzten Wochen konkret aus?
Michael: Sehe ich natürlich genauso. Die World Games (TWG) sind auch für mich ein absolutes Highlight im Kalender! Dementsprechend sieht auch das Training davor aus: noch etwas mehr, noch etwas intensiver und immer auf der Suche nach dem einen oder anderen Ring, den man noch holen könnte…
BSM: Gibt es ein Learning oder einen Moment aus Chengdu, der dir ganz besonders im Gedächtnis bleiben wird und den du für deine weitere sportliche Entwicklung mitnimmst?
Michael: Es gibt schon mehrere Dinge, die ich mitnehme. Ich habe viele Eindrücke und Informationen von anderen Schützen gesammelt, die ich in mein Training einarbeiten werde. Mal sehen, was davon Verbesserungen bringt.
Deutlich gemerkt habe ich bei mir, dass meine mentale Stärke verbesserungsbedürftig ist -– daran muss ich arbeiten. Dabei wünsche ich mir Unterstützung vom DSB.
BSM: Die Außensaison ist noch nicht ganz vorbei: Steht für dich in den kommenden Wochen eher noch einmal der Fokus auf Wettkämpfen und Training oder planst du nach den World Games zunächst eine Pause zur Erholung?
Michael: Ich werde gemeinsam mit meiner Frau drei Tage Wellnessurlaub machen, danach geht das Training weiter – schließlich steht die EM in Polen im September vor der Tür.
BSM: Blankbogen ist oft weniger im Rampenlicht als Recurve oder Compound.
Was würdest du dir wünschen, damit eure Disziplin sichtbarer wird – und was müsste deiner Meinung nach passieren, um das zu erreichen?
Michael: Ich denke, es gibt einfach mehr internationale FITA-Turniere, bei denen Recurve und Compound – auch durch Sponsorenarbeit – sichtbar werden. Eventuell könnte man diesen Ansatz nutzen, um den Blankbogen stärker ins Rampenlicht zu rücken.
BSM: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der EM in Polen, lieber Michael! Wir drücken die Daumen!
Foto: World Archery
Fünf Fragen an Elisa TartlerElisa Tartler beeindruckte mit einem starken Saisonstart, glänzte mit dem Team der deutschen Recurve-Damen bei den World Cups und erzielte zudem das beste Ergebnis bei der Qualifikation für die World Games – ein klarer Beleg dafür, dass sie aktuell in Top-Form ist! Im Kurzinterview spricht sie über Teamgeist, ihre Ziele für die World Games und darüber, wie sie mit Rückschlägen umgeht – und verrät, worauf sie sich in der Außensaison noch besonders freut.
BSM: Drei World Cups, drei Top-Ten-Platzierungen im Team – ein starker Saisonstart! Was ist dein persönliches Fazit aus den bisherigen Wettkämpfen und was macht für dich ein starkes Team aus?
Elisa: Wir haben wirklich einen starken Start hingelegt, vor allem, weil wir von Wettkampf zu Wettkampf immer etwas lernen konnten, was wir dann auch umsetzen konnten. Ein starkes Team macht für mich aus, dass man sich gegenseitig blind vertraut und sich gut ergänzt und unterstützt.
BSM: Bei der internen Qualifikation für die World Games hast du mit 377 Ringen die absolute Bestleistung erzielt – sogar vor allen Herren. Wie hast du dich während der Quali gefühlt und wie gelingt dir der Spagat zwischen den Disziplinen FITA und Feldbogen überhaupt?
Elisa: Während der Quali war ich anfangs aufgeregt, da die World Games einfach ein großes Ziel sind. Das hat sich aber nach ein paar Scheiben gelegt und ich konnte mein Ding durchziehen. Schießen muss man bei beiden Disziplinen, weshalb für mich einfach der Fokus auf meiner Technik liegt, egal ob geradeaus geschossen wird oder 20 Grad bergab mit Bäumen um mich herum.
BSM: 2022 hast du bei den World Games in Birmingham Bronze geholt, letztes Jahr Platz 4 bei der Feld WM in Kanada. Welche Ziele hast du für die kommenden World Games und wie schätzt du die internationale Konkurrenz ein?
Elisa: Die internationale Konkurrenz schätze ich stark ein, wobei noch nicht alle Nationen ihre Athleten nominiert haben. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, um eine Medaille zu schießen, aber auch Spaß am ganzen Event zu haben.
BSM: Du wirst in diesem Jahr nicht an der WM in Gwangju (Südkorea) teilnehmen.
Wie gehst du damit um und was bedeutet das für deinen Fokus in der zweiten Saisonhälfte?
Elisa: Direkt nach der Quali gilt es natürlich sich Gedanken zu machen, was im nächsten Jahr besser laufen sollte. Daran werde ich dann auch arbeiten. Mein Fokus ist nun ganz auf die World Games ausgerichtet, weshalb ich jetzt mehr Zeit im Feld als auf dem Platz verbringen möchte, auch wenn ich einige 70-m-Trainings immer wieder einbauen werde. Technik und mentale Trainingseinheiten möchte ich aber auf jeden Fall umsetzen.
BSM: Abgesehen von den World Games als absolutes Saisonhighlight – worauf freust du dich in der Außensaison noch am meisten?
Elisa: Ich freue mich in der Außensaison noch auf schönes Wetter beim Training und bei Wettkämpfen. Die Finals in Dresden werden bestimmt ebenfalls ein tolles Event!
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Saison!
(Foto: World Archery)