Alex Wörndl besiegt den Krebs und holt WM-Medaille

Der Bogenschütze aus Österreich schaffte mit der Mannschaft bei der WM (Verband IFAA) Silber.

Diese Geschichte beginnt im Jahr 2008 in einem Urlaubsresort in Ägypten. Alex Wörndl aus Sankt Willibald und seine Frau wollen sich als Ausgleich zum Liegen am Sandstrand sportlich betätigen. Bogenschießen soll es sein.
Der Unternehmer aus dem Innviertel beginnt zu trainieren. Enormer Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und großes Talent machen sich schnell bezahlt. Wörndl, der für den Union Bogensportclub Ried an den Start geht, holt sich 2011 und 2013 bei der Weltmeisterschaft des IFAA-Verbandes den Titel. Es folgen etliche Staatsmeistertitel und zwei Erfolge bei der Europameisterschaft.

Diagnose Speiseröhrenkrebs

Wörndl ist beruflich und sportlich erfolgreich, wird 2011 zu Rieds Sportler des Jahres gewählt. Bei der EM Anfang 2015 in Estland merkt der 55-Jährige, dass etwas nicht stimmt. „Ich konnte nichts mehr essen, hatte große Schmerzen“, erzählt Wörndl. Wenig später erhält der Bogensportler die niederschmetternde Diagnose Speiseröhrenkrebs. Es folgen drei Chemotherapien, im Juli wird er operiert. Doch die OP geht schief, Wasser tritt in die Lunge. Wörndl liegt 40 Tage auf der Intensivstation, es ist ein Kampf auf Leben und Tod.

„Ich habe mir aber immer gesagt, dass ich das schaffen und Gas geben muss. Ich bin keiner, der einfach so aufgibt“, sagt Wörndl im OÖN-Gespräch. Die Speiseröhre wird in einer aufwendigen Operation vom Dickdarm ersetzt, alles geht gut. „Meine Frau hat mich jeden Tag in Linz im Krankenhaus besucht und nebenbei noch die Firma geleitet. Ich kann ihr für diese Unterstützung und die Kraft, die sie mir gegeben hat, gar nicht genug danken“, sagt Wörndl. Zwar bringt die Krankheit gewisse Einschränkungen mit sich, für Wörndl ist das aber erst Recht ein Grund, an seinem sportlichen Comeback zu arbeiten. Nach fast eineinhalb Jahren und der Gewissheit, den größten Sieg errungen zu haben, beginnt Wörndl wieder mit dem Training. „Für mich stand immer fest, dass ich weitermache, das hat mir Kraft gegeben.“ Seit seiner schweren Krankheit sehe er die Welt mit völlig anderen Augen. Die Zeit habe seine Sicht auf viele Dinge relativiert. „Ich lasse mich nicht mehr so leicht stressen, weil ich weiß, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt.“

Nach rund einem Jahr Training, fühlt sich Wörndl Ende März bereit, für das sportliche Comeback auf großer Bühne. Bei der WM in Rumänien erreicht er unter 22 Teilnehmern im Bewerb BBR (BareBow Recurfe) den vierten Platz. An den drei Wettbewerbstagen feuert der 55-Jährige jeweils 60 Pfeile auf die Zielscheibe ab.

Mit großem Erfolg: Im Mannschaftsbewerb, der sich aus den Einzelergebnissen der Athleten zusammensetzt, holte sich Wörndl mit seinen Kollegen Helene Fischerlehner und Florian Kasberger vom BSV Kremstal die Silbermedaille. „Damit, dass die WM mit einer Medaille für mich endet, hätte ich nicht gerechnet. Die Freude ist riesengroß, der Gedanke daran, nach meiner schweren Erkrankung wieder mit Pfeil und Bogen am Start zu stehen, hat mir viel Kraft gegeben“, sagt Wörndl.

 

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