10.08.2026

Fünf Fragen an Simon Moritz

Mit Weltmeistertitel, Weltrekord und starken Auftritten gegen die Weltspitze zählt Simon Moritz aktuell zu den größten Talenten im deutschen Compound-Bereich. Im Gespräch mit dem BSM spricht der 17-Jährige über sein rasantes erstes Jahr auf internationaler Bühne, den Umgang mit der Weltelite und seine Ziele für die Zukunft.

BSM: Vor einem Jahr bist du bei deinem allerersten internationalen Turnier direkt Jugend-Weltmeister geworden. Seitdem vergeht kaum ein Wettkampf ohne einen weiteren Erfolg. Schießt du heute noch genauso wie damals – oder hat sich seitdem etwas grundlegend verändert?
Simon: Tatsächlich hat sich an meiner Schießtechnik gar nicht so viel verändert. Ich schieße zielbildabhängig, das heißt, sobald mein Zielbild für mich passt und der Zielpunkt sauber in der Mitte steht, löse ich den Schuss aus. Das hat sich seit der Junioren-WM bewährt. Im Moment arbeite ich aber an einer Veränderung: Ich stelle gerade vom Trigger-Release auf ein Kipprelease um. Dadurch möchte ich lernen, den Schuss noch mehr über Druck und Zug auszulösen und ihn insgesamt noch sauberer und konstanter auszuführen. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht, von dem ich mir aber langfristig noch mehr Stabilität verspreche.

BSM: Bei der EM in Antalya hast du dich gegen Mathias Fullerton, die Nummer eins der Welt, durchgesetzt und später gegen Mike Schlosser um Bronze geschossen. Wie anders ist es, plötzlich gegen Namen anzutreten, die man bisher nur aus Livestreams oder den Ergebnislisten kannte?
Simon: Natürlich merke ich, gegen wen ich gerade schieße. Wenn einem im Match plötzlich die Nummer eins der Welt oder ein anderer Top-Schütze gegenübersteht, ist man am Anfang schon etwas nervöser, vor allem in einem Bronzefinale vor Publikum. Trotzdem versuche ich, mich möglichst schnell auf meinen eigenen Ablauf zu konzentrieren. Während des Matches rückt dann immer mehr in den Hintergrund, wer auf der anderen Scheibe steht, und der Fokus liegt nur noch darauf, einen guten Schuss nach dem anderen zu machen.

BSM: Mit deinen perfekten 150 Ringen und elf X in einem Match hast du im Mai in Garching einen zwölf Jahre alten Weltrekord gebrochen. Geht einem während so eines Matches irgendwann der Rekord durch den Kopf – oder versucht man, genau diesen Gedanken möglichst weit wegzuschieben?
Simon: Der Rekord ist mir tatsächlich schon nach der ersten Passe durch den Kopf gegangen. Ich hatte an diesem Wochenende einfach ein richtig gutes Schussgefühl und die Bedingungen waren nahezu perfekt. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass an diesem Tag eine sehr hohe Ringzahl möglich sein könnte. Gleichzeitig habe ich mit und gegen meine Freunde aus dem Nationalkader geschossen. Das hat die ganze Situation deutlich lockerer gemacht und für eine entspannte Atmosphäre gesorgt. Natürlich war der Gedanke an den Rekord da, aber im Wettkampf lag der Fokus trotzdem darauf, einen guten Schuss nach dem anderen zu machen. Umso schöner war es, am Ende zu realisieren, dass ich den Rekord tatsächlich gebrochen hatte.

BSM: Zwischen Schule, Training und internationalen Wettkämpfen bleibt vermutlich nicht viel Freizeit. Wie sieht dein Alltag aus – und worauf musstest du für den Sport vielleicht bewusst verzichten?
Simon: Natürlich muss immer genug Zeit für das Schießtraining da sein. Genauso wichtig sind für mich aber auch die Schule und ausreichend Erholung. Schlaf spielt dabei eine große Rolle. Ich achte darauf, immer genug zu schlafen, weil ich merke, wie wichtig das für meine Regeneration und meine Leistung ist. Mein Alltag ist deshalb ziemlich strukturiert. Nach der Schule mache ich meistens erst eine kurze Pause, bevor ich zum Training gehe. Diese Balance aus Schule, Erholung und Training hilft mir dabei, konstant gute Leistungen zu bringen und gleichzeitig den Spaß am Sport zu behalten.

BSM: Wenn wir dieses Interview in fünf Jahren noch einmal führen würden: Welche Schlagzeile über dich würdest du dann gerne lesen?
Simon: In den nächsten fünf Jahren möchte ich mich vor allem international weiter durchsetzen und regelmäßig bei Weltcups sowie Europa- und Weltmeisterschaften um Medaillen mitschießen. Der größte Meilenstein wäre für mich aber ganz klar die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Ich glaube, das ist das größte Ziel, das man als Sportler erreichen kann. Bis dahin möchte ich mich Schritt für Schritt weiterentwickeln und jede Erfahrung auf internationaler Ebene nutzen, um diesem Traum näherzukommen.

BSM: Lieber Simon, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

(Foto: World Archery)